Ghostwriting im Studium: Das musst du wissen!

Ghostwriting im Studium: Das musst du wissen!

von Bernadette Seiler

Ghostwriting im Studium: Rechtlicher Hintergrund und prüfungsrechtlicher Rahmen. Täuschungsversuch, Urkundenfälschung, Nutzungsrecht

Alles muss man selber machen lassen!

Ghostwriting ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern war bereits in der Antike ein gängiges Verfahren. Irgendjemand verfasst einen Text, der von jemand anderem als sein geistiges Erzeugnis deklariert wird. Doch spätestens seit dem Fall von Herrn Ex-Doktor zu Guttenberg stellen wir uns als Studenten immer mehr die Frage, auf welcher dünnen rechtlichen Eisschicht wir uns da bewegen.

Das Fremdverfassen von sinnhaften Texten, die entweder als Statement zu lesen oder als Rede zu hören sind, ist längst aus vielen Bereichen der Politik bekannt.

Doch gerade in den vergangenen Jahren kamen vermehrt Fälle ans Licht, in denen sich Absolventen die Abschlussarbeit haben schreiben lassen und ihren eigenen Namen als Autor darunter setzten – selbstverständlich mit einer entsprechenden eidesstattlichen Erklärung.

Aber wo liegt jetzt genau das Problem?

 

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Täuschung und Fälschung

Wer eine fremde Arbeit als seine eigene Leistung ausgibt, fälscht eine Prüfungsleistung und täuscht damit bewusst seine Hochschule.

Das ist soweit klar. Aber wie sieht das rechtlich aus?

Das erste Problem kann, nach § 156 StGB, bereits die falsche Versicherung an Eides Statt sein. Mit dieser Erklärung versichert der Absolvent, dass die vorgelegte Arbeit sein eigenes geistiges Eigentum sei – was in diesem Sinne bereits den Tatbestand einer schriftlichen Lüge erfüllt (siehe § 267 StGB).

Solch ein Täuschungsversuch kann außerdem als eine Urkundenfälschung angesehen werden. Hintergrund: Eine Urkunde ist dann gegeben, wenn eine zum Beweis geeignete sowie bestimmte verkörperte Gedankenerklärung ihren Aussteller erkennen lässt. Hochschularbeiten erfüllen genau diesen Zweck. Eine Urkundenfälschung liegt vor, wenn der „falsche Aussteller“ zu erkennen ist.

Schummeln bei der Abschlussarbeit bedeutet Täuschungsversuch und Urkundenfälschung.

Aber ganz so klar scheint die Sache dann doch nicht zu sein.

Viele Ghostwriter-Agenturen argumentieren nämlich: Die unterschriebene Urkunde (in diesem Fall die eidesstattliche Erklärung) wird von eben der Person unterschrieben, die sie angefertigt und ausgedruckt hat: Dem Studenten, der die fremd verfasste Arbeit abgegeben hat. Somit gilt die Urkunde an sich nicht als gefälscht.

Das Ganze lässt also Interpretationsspielraum zu.

 

Verletzung des Urheberrechts

Werfen wir einen Blick auf das Urheberrecht.

Derjenige, der etwas Neues erstellt, beziehungsweise in diesem Sinne verfasst, ist nach dem Schöpfungsprinzip der Urheber (siehe § 7 UrhG). Nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG gehört ein schriftliches Erzeugnis mit zu den Werken, welche urheberrechtlich geschützt werden können.

Das Können ist in diesem Fall der ausschlaggebende Punkt.

Um zu bestimmen, inwiefern es sich bei dem vorliegenden Text um ein schriftliches Novum handelt, wird die sogenannte Schöpfungshöhe hinterfragt. Berücksichtigt werden dabei unter anderem der Inhalt, die Form, die sprachliche Gestaltung usw.

Auch dies muss von Einzelfall zu Einzelfall individuell geprüft und bewertet werden.

Kernfrage: Wer ist der Urheber des Textes?

Außerdem sollte darauf geachtet werden, wie die Nutzungsrechte an dem jeweiligen Text geregelt sind. Im häufigsten Fall tritt der Ghostwriter das Nutzungsrecht an seinem Werk ab, sodass der Text von dem Vertragspartner ohne Einschränkungen genutzt werden kann.

Es sind allerdings auch Einschränkungen in Bezug auf die Nutzungsrechte möglich. Im Zweifel also besser nochmal die Nutzungsbedingungen prüfen!

 

Verstoß gegen die Prüfungs- und Promotionsordnung

Aber was sagen denn eigentlich die Hochschulen dazu?

Ganz allgemein soll eine schriftliche Arbeit am Ende des Studiums oder am Ende der Promotionszeit zeigen, was der künftige Absolvent im Rahmen der akademischen Ausbildung gelernt hat.

Die Arbeit soll zeigen, dass du in der Lage bist, ein Problem innerhalb einer vorgegebenen Frist nach wissenschaftlichen Methoden selbstständig zu bearbeiten.

Dementsprechend muss die Arbeit von dem Absolventen selbst verfasst werden. Und so steht es auch in jeder Prüfungsordnung festgeschrieben.

Wenn du diese Arbeit von einer fremden Person schreiben lässt, verstößt du damit ohne Zweifel gegen die Prüfungsordnung. Oft führt eine nachgewiesene Täuschung zu einer Bewertung der Arbeit mit 5.0 und im schlimmsten Fall zur Exmatrikulation.

 

Konsequenzen

Irgendwann kommt alles ans Licht.

Eine fremd geschriebene Arbeit, die du als dein geistiges Eigentum ausgibst, bildet da keine Ausnahme.

Wenn entdeckt wird, dass du deine Abschlussarbeit nicht selbst geschrieben hast, wird dir mindestens der mit der Arbeit erlangte wissenschaftliche Titel entzogen. Des Weiteren können alle bis zu diesem Zeitpunkt erworbenen Titel entzogen werden – unabhängig davon, ob du dafür fremde Hilfe in Anspruch genommen hast, oder nicht.

Wenn du einen Ghostwriter damit beauftragst, nicht deine Abschlussarbeit, sondern eine Hausarbeit zu schreiben und „erwischt wirst“, musst du ebenfalls mit einer Aberkennung deiner bisherigen Titel sowie mit einer umgehenden Exmatrikulation rechnen.

Hochschulen verstehen an dieser Stelle keinen Spaß!

Inwiefern weitere rechtliche Konsequenzen aufgrund der oben genannten Tatbestände auf dich zukommen können, ist im Einzelfall zu prüfen und hängt ebenfalls von der Hochschule ab. Möglicherweise kommen zusätzliche zivil-, straf- und arbeitsrechtliche Konsequenzen auf dich zu.

 

Ghostwriting ganz legal: So wird’s gemacht!

Nicht wundern: Ghostwriting an sich ist nicht illegal, ganz im Gegenteil!

Ghostwriting ist eine ganz normale Dienstleistung, in deren Rahmen ein Auftragsschreiber einen Text für dich erstellt. Daran ist an sich nichts Verwerfliches.

Das liegt daran, dass die Nutzungsrechte an dem hergestellten Produkt innerhalb des abgeschlossenen Vertrages an den Auftraggeber abgetreten werden. Dementsprechend ist es vollkommen legal, das zu benutzen, was von dir erworben wurde.

Wenn du z.B. die Arbeit eines Ghostwriters lediglich als „Inspirationsgrundlage“ nutzt und diese nur als Anregung für deine eigene Arbeit dient, begehst du keinen Fehler.

Du überschreitest erst dann eine Grenze, wenn du eidesstattlich versicherst, der Urheber von dem jeweiligen Schriftstück zu sein und dieses zur Erlangung eines Titels missbrauchst.

Du kannst einen Ghostwriter natürlich auch damit beauftragen, andere Unterlagen für dich zu erstellen, die nichts mit einer Prüfungsleistung zu tun haben.

Dazu gehören z.B. Bewerbungsunterlagen oder Motivationsschreiben. An dieser Stelle liegt weder eine Urkundenfälschung noch eine fälschliche eidesstattliche Versicherung vor, da die Informationen für die Unterlagen von dir selbst geliefert werden.

Zudem musst du im Bewerbungsprozess alle „Prüfungen“ (Vorstellungsgespräch, Assessment-Center etc.) persönlich ablegen. Entsprechende Professionelle Dienstleister werden außerdem in den AGBs festgehalten haben, dass du die Unterlagen nach deinem eigenen Ermessen verwenden darfst und entsprechend die Nutzungsrechte an dich abtreten.

 

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Fazit

Ghostwriter sind nicht der „Jack the Ripper“ deiner wissenschaftlichen Karriere. Sie können dir sogar bei deiner Arbeit behilflich sein, wenn du zum Beispiel vom Dozenten ein Thema aufgebrummt bekommst, von dem du wirklich gar keine Ahnung hast und Inspiration benötigst.

Aber: Bedenke immer, dass dir die Dienste von Ghostwritern für Prüfungssituationen nur und ausschließlich als Inspiration dienen dürfen.

Du darfst dich auf keinen Fall mit fremden Federn schmücken und das geistige Eigentum eines anderen als deine eigene Leistung ausgeben. Damit würdest du eine ganze Menge riskieren und deinen bisher hart erarbeiteten Uni-Abschluss aufs Spiel setzen.

Und das ist es doch nicht wert, oder?

 

Bild: © Ryan McGuire / gratisography.com
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Autor

Bernadette Seiler

Bernadette schreibt zur Zeit selbst an ihrer Abschlussarbeit für den Master Medienkultur. Gleichzeitig betreut sie für die webschmiede GmbH den Blog Karriere Guru, um dort auch für Studenten auf alle Fragen mindestens eine mögliche Antwort zu finden.

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