Lernen mit ABC-Listen: Wie du den Stadt-Land-Fluss-Effekt für deine Prüfungsvorbereitung nutzen kannst

von Tim Reichel

Mithilfe von ABC-Listen kannst du spielerisch lernen und deinen Erfolg im Studium erhöhen. Dabei hilft dir der Stadt-Land-Fluss-Effekt.

Kennst du das Spiel Stadt, Land, Fluss?

Bei diesem Klassiker geht es um Allgemeinbildung, Kreativität und Geschwindigkeit. Bevor es losgeht, legen die Spieler Wissenskategorien (wie Stadt, Land, Fluss, Name, Beruf und so weiter) fest, die dann auf einem Blatt Papier notiert werden. Nun wird je Spielrunde ein Anfangsbuchstabe bestimmt, für den passende Begriffe in allen Kategorien gefunden werden müssen. Sobald ein Spieler einen Begriff für alle Kategorien aufgeschrieben hat, wird die Runde beendet, die eingetragenen Begriffe verglichen und entsprechend Punkte vergeben.

Das Konzept der sogenannten ABC-Listen hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem Stadt-Land-Fluss-Spiel und kann dir beim Lernen für deine nächste Prüfung helfen. Mithilfe dieser Lerntechnik kannst du dich auf ein Thema vorbereiten, dein Wissen vertiefen oder testen, wie gut du bereits gelernte Inhalte verinnerlicht hast. Was ABC-Listen genau sind und wie sie funktionieren, zeige ich dir in diesem Artikel.

 

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Was sind ABC-Listen und woher kommen sie?

Von ABC-Listen habe ich zum ersten Mal in einem Buch von Vera F. Birkenbihl gelesen (falls du Vera noch nicht kennst, lohnt sich ein Blick auf ihr Lebenswerk). Eine ABC-Liste ist demnach eine Assoziationsmethode, um sich einem komplexen Thema spielerisch und kreativ zu nähern oder bekannte Wissensgebiete unter einem anderen Blickwinkel zu vertiefen.

Konkret handelt es sich dabei um die Abwandlung eines senkrechten Stadt-Land-Fluss-Spiels. Dabei wählst du zunächst ein Thema deiner Wahl aus und notierst dann am linken Rand eines Blattes ein ABC – pro Zeile ein Buchstabe. Nun gehst du Buchstabe für Buchstabe durch und schreibst dazu jeweils einen passenden Begriff aus dem zuvor bestimmten Wissensgebiet auf. Gleichzeitig rufst du dir sämtliche Assoziationen, Querverbindungen und Hintergrundinformationen zu den Begriffen ins Gedächtnis.

Auf diese Weise näherst du dich dem zu lernenden Stoff auf eine neue, ungewohnte Art und Weise und verbesserst so deinen Lernfortschritt. Doch es wird noch besser: Lass uns dazu einen genaueren Blick auf die Vorteile von ABC-Listen werfen.

 

Vorteile von ABC-Listen

Das Lernen mit ABC-Listen wirkt zunächst chaotisch und wenig zielführend. In gewisser Weise stimmt das auch, weil du deine Lerninhalte nicht chronologisch oder thematisch geordnet angehst. Doch gerade darin liegt die Stärke dieser Methode. Dies sind die fünf größten Vorteile von ABC-Listen:

  • Du benötigst keine Vorbereitung und nur wenig Hilfsmaterial. Im Prinzip reichen Stift und Papier.
  • Du erstellst eine Wissensinventur deiner Lerninhalte und sammelst deine Gedanken zu einem Thema.
  • Du brichst alte Denkmuster auf und verknüpfst deinen Lernstoff auf eine neue Art und Weise.
  • Du kannst ABC-Listen dynamisch anpassen, verändern und weiterentwickeln. Damit dienen sie dir als Überblick für ein bestimmtes Thema innerhalb deiner Prüfungsvorbereitung.
  • Du kannst komplette Wissensgebiete in kurzer Zeit wiederholen – und mit steigender Anzahl von Wiederholungen bleiben die Informationen sicherer in deinem Gedächtnis.

Zusammen entfachen diese Vorteile eine nachhaltige Verbesserung deiner Lerneinheiten. Begünstigt wird die Methodik durch den sogenannten „Stadt-Land-Fluss-Effekt“.

 

Der Stadt-Land-Fluss-Effekt

ABC-Listen können einfach und schnell erstellt werden. Das bedeutet, im Vergleich zu anderen Hilfsmitteln wie Karteikarten oder Zusammenfassungen kommst du schneller ans Ziel und kannst mehr Stoff in kürzerer Zeit wiederholen. Außerdem macht das Lernen mit dieser Methodik mehr Spaß, weil es ungewöhnlich, spielerisch und herausfordernd ist. Nebenbei fördert es neue Denkweisen und schafft neue Querverbindungen in deinem Gehirn.

Diese Kombination ist förderlich für deinen Lernfortschritt und wird als „Stadt-Land-Fluss-Effekt“ bezeichnet:

Stadt-Land-Fluss-Effekt: Indem du deinen Stoff spielerisch mit ABC-Listen aufbereitest und mehrmals wiederholst, verankerst du mögliche Prüfungsinhalte nachhaltig in deinem Gedächtnis und kannst diese zielsicher abrufen.

Erinnere dich dazu an die Zeiten zurück, in denen du häufig Stand, Land, Fluss gespielt hast. Schon nach wenigen Runden hattest du eine solide Expertise im Bereich Flüsse und Länder aufgebaut, oder? Und mit jeder weiteren Runde wurdest du sicherer, nicht wahr? Hättest du ohne dieses Spiel eine oder mehrere Städte, die mit P beginnen, aufzählen können? Allein der spielerische Ansatz (Gamification) verbunden mit dem gesellschaftlichen Rahmen hat dazu geführt, dass du heute noch den Quallenzüchter (Berufe mit Q) kennst und dir ein breites (geographisches) Allgemeinwissen aufgebaut hast.

Genau aus diesem Grund solltest du diesen Effekt auch beim Lernen nutzen und ABC-Listen einsetzen.

 

Wie du mit ABC-Listen lernen kannst

Das Lernen mit ABC-Listen ist einfach. Eine grundsätzliche Idee davon wirst du bereits haben. Damit du jedoch von Anfang an optimal mit dieser Methode arbeiten kannst, habe ich eine hilfreiche Schritt-für-Schritt-Anleitung für dich zusammengestellt:

 

Schritt 1: Thema auswählen!

Bestimme ein Thema oder Unterthema, zu welchem du eine ABC-Liste anlegen möchtest. Dies könnte zum Beispiel eine ganze Vorlesung oder ein Kapitel aus einem Lehrbuch sein.

 

Schritt 2: ABC-Liste vorbereiten!

Nimm ein leeres Blatt Papier und schreibe ein ABC an den linken Rand. Achte auf genügend Platz und weise jedem Buchstaben eine eigene Zeile zu.

 

Schritt 3: Fülle deine ABC-Liste!

Wandere über die einzelnen Buchstaben und weise jeder Zeile einen oder mehrere Begriffe mit dem entsprechenden Anfangsbuchstaben zu. Vera Birkenbihl empfiehlt dazu: „Beginnen Sie keinesfalls bei A, um sich (verbissen) bis zum Z „durchzukämpfen“. Stattdessen wandern Sie locker mit den Augen in der (noch) leeren Liste auf und ab […]“

 

Schritt 4: Halte dich nicht an bekannte Konventionen!

Sobald du damit beginnst, deine ABC-Liste zu füllen, werden dir zu einigen Buchstaben mehrere Begriffe einfallen – zu anderen kommen dir jedoch kaum Assoziationen in den Sinn. Dieses Phänomen ist völlig normal und nicht schlimm. Du darfst Zeilen leer lassen oder auch doppelt, dreifach oder 42-fach belegen. Halte dich nicht an die Konventionen „Überall muss etwas stehen“ oder „Hier steht schon ein Wort, mehr darf ich nicht“. Fülle deine Liste dynamisch aus.

 

Schritt 5: Lass deine Gedanken schweifen und schaffe neue Verbindungen!

Während du über die einzelnen Buchstaben deiner ABC-Liste „schwebst“, werden dir viele Gedanken in den Sinn kommen. Dir werden verschiedene Begriffe aus ganz unterschiedlichen (Unter-)Themen einfallen, die du so noch nicht in Verbindung zueinander gebracht hast. Gehe diesen Gedanken nach und vernetze dein Wissen auf diese Weise. Dadurch bleibt es nachhaltig in deinem Gedächtnis.

 

Nachdem du diese fünf Schritte durchlaufen hast, kannst du nach einer Weile mit einer neuen ABC-Liste beginnen oder deine alte Liste ergänzen. Es ist ebenfalls möglich, eine „große“ ABC-Liste anzulegen, auf welcher du deine Erkenntnisse aus vielen „kleinen“ ABC-Listen sammelst. Je häufiger du diese Wissensinventur vornimmst, desto größer und nachhaltiger ist die Wirkung.

 

Wie du ABC-Listen für deine Prüfungsvorbereitung einsetzen kannst

Der Einsatz von ABC-Listen ist vielfältig und ist zu jedem Zeitpunkt deiner Prüfungsvorbereitung möglich. Zur besseren Orientierung habe ich ein paar Anwendungsbeispiele für dich kreiert:

 

Einstieg ins Thema

Bevor du ein neues Thema beginnst oder deine Prüfungsvorbereitung startest, kannst du mithilfe von ABC-Listen ein Brainstorming vornehmen und alle Informationen zu einem Thema sammeln, die du bereits weißt.  Du bereitest dein Gehirn sozusagen spielerisch auf den neuen Lernstoff vor.

 

Lernstoff sammeln

Der erste Schritt einer erfolgreichen Vorbereitungsphase beginnt mit einer umfangreichen Stoffsammlung. Dabei stellst du alle Inhalte zusammen, die für deine Prüfung relevant sein könnten. ABC-Listen eigenen sich für diese Bestandsaufnahme besonders gut, weil du nach einem einfachen System vorgehen kannst.

 

Mitschriften auswerten

Solltest du während deiner Vorlesung fleißig mitgeschrieben haben, kannst du die Kerninhalte deiner Aufzeichnungen in einer ABC-Liste zusammenfassen. Du komprimierst damit das aufgenommene Wissen und kannst Lücken oder wichtige Zusatzinformationen sichtbar machen.

 

Regelmäßige Wiederholungen

Wiederholungen sind essenziell wichtig für deinen Lernerfolg. Nur, wenn du deinen Lernstoff regelmäßig durchgehst, wirst du ihn vollumfänglich verstehen und so in deinem Gehirn ablegen können, dass du ihn in der Prüfungssituation schnell hervorkramen kannst. ABC-Listen helfen dir bei diesem Prozess (siehe oben).

 

Überblick behalten

Es wird einzelne Fächer und Module in deinem Studium geben, deren Prüfungsvorbereitung umfangreicher ist als deine komplette Abiturvorbereitung. In solchen Phasen musst du die Übersicht behalten und darfst dich nicht von deinem Stoff „erschlagen“ lassen. Mithilfe von ABC-Listen kannst du den Überblick über komplexe Themen behalten und clevere Verknüpfungen erstellen.

 

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Fazit

ABC-Listen sind eine angenehme Abwechslung im eintönigen Lernalltag – und zudem eine effektive Lerntechnik, um umfangreiche Themen spielerisch zu verinnerlichen. Anfangs wirkt diese Methode gewöhnungsbedürftig, doch schon nach kurzer Zeit wirst du feststellen, welche Leichtigkeit sie deinen Lerneinheiten verleiht.

Zum Schluss noch ein Bonus-Tipp: Wende ABC-Listen zusammen mit deinen Kommilitonen an! Mach aus deiner Prüfungsvorbereitung ein Spiel, doch anstatt „Stadt, Land Fluss“ steht „Statistik, Literaturgeschichte oder Physik I“ auf dem Programm. Gründe dazu eine Lerngruppe oder fordere ein paar Lieblingskommilitonen zum Duell heraus. Wer schafft mehr Begriffe in fünf Minuten? Wer kann jede Zeile füllen? Welche Begriffe könnt ihr später austauschen? Welche weiteren Ideen habt ihr in der nachfolgenden Diskussion?

Lass nicht zu, dass deine Prüfungsvorbereitung langweilig wird; pepp deinen Lernalltag auf!

 

Bild: © Jessicah Hast / unsplash.com
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Autor

Tim Reichel

Tim ist Autor, Wissenschaftler und der Gründer von Studienscheiss. Seit über acht Jahren arbeitet er als Fachstudienberater und löst Probleme im Studium. Außerdem hält er Vorträge, veranstaltet Seminare und schreibt Bücher. Hier erfährst du mehr über Tim Reichel

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