Deine Vorlesung nervt? Dann ändere deine Erwartungshaltung!

Deine Vorlesung nervt? Dann ändere deine Erwartungshaltung – und zwar so!

von Tim Reichel

Wenn deine Vorlesung nervt, dann liegt es wahrscheinlich daran, dass dir deine eigene Erwartungshaltung im Weg steht. Doch du kannst deine Erwartungen...

Nicht einmal fünf Minuten hat es gedauert.

Ob es an der monotonen Stimme des Dozenten, den kryptischen Folien oder den unruhigen Kommilitonen liegt, kannst du nicht einmal genau sagen. Müde schaust du auf die große Uhr im Hörsaal. Der Zeiger scheint sich rückwärts zu bewegen. Deine Vorlesung ist alles – außer spannend. Sie nervt. Und deswegen bist du jetzt genervt. Irgendein Gefühl zwischen Langeweile und Aggression breitet sich in dir aus.

Dabei hattest du dir so viel für heute vorgenommen: Du wolltest mitschreiben, mitdenken, Hinweise für die anstehende Klausur sammeln und, und, und. Nichts davon scheint zu funktionieren. Die Vorlesung hat dich in ihren zermürbenden Bann gezogen und zapft dir das letzte Bisschen Motivation ab, das noch übriggeblieben ist. Deine Erwartungen wurden vollends zerstört.

Nach weiteren fünf Minuten sitzt du enttäuscht auf deinem Platz und spielt mit dem Handy. Wieder anderthalb Stunden Zeitverschwendung in deinem Leben.

Aber keine Sorge: Ich kenne ein Gegenmittel.

 

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Warum deine Vorlesung wirklich nervt

Bevor wir zur Lösung deines Problems kommen, müssen wir uns selbiges erst einmal genau ansehen. Auf den ersten Blick ist es einfach: Deine Vorlesung nervt. Problem identifiziert. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der Dozent ist schlecht, der Stoff ist zu schwierig, die Luft im Hörsaal ist stickig und so weiter.

Doch so einfach ist es nicht.

Auch wenn viele dieser äußeren Umstände (Dozent, Stoff, Luft) zutreffen, muss das nicht bedeuten, dass deine Vorlesung automatisch schlecht ist. Und selbst wenn sie das ist, heißt das nicht, dass sie deswegen dein Nervenkostüm strapazieren muss. Oder anders erklärt: Deine Vorlesung ist nicht die Ursache deines Problems. Sie ist einfach nur da. Deine Vorlesung ist, was sie ist.

Erst dadurch, dass du mit bestimmten Erwartungen zu deiner Univeranstaltung gegangen bist, wird die Sache problematisch.

 

Das Problem mit Erwartungen

Erwartungen sind kleine, individuelle Zukunftsprognosen und nicht besonders hilfreich. Es liegt allerdings in der menschlichen Natur, unentwegt Erwartungshaltungen für die verschiedensten Szenarien aufzubauen. In der Vergangenheit hat sich das bewährt und unseren Steinzeitvorfahren das Überleben gesichert. Heutzutage frisst dieses Vorgehen hauptsächlich mentale Energie und steht einem glücklichen Leben eher im Weg.

Das Problem ist: Sobald du eine Erwartung an dich, andere Personen oder Situationen aufgestellt hast, dient diese als Referenzzustand. Das heißt, dass du unterbewusst alles, was wirklich passiert, mit deiner Erwartung vergleichst. Das hat zwei große Nachteile. Wenn deine Erwartungen überaus optimistisch sind, wirst du enttäuscht, weil die Realität „unter deinen Erwartungen“ bleibt. Falls du hingegen nur sehr geringe Erwartungen aufbaust, bremst du dich selbst und lebst immer unter deinen persönlichen Möglichkeiten.

Übertragen auf deine Vorlesung bedeutet das: Wenn du mit riesigen Erwartungen in den Hörsaal gegangen bist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese nicht erfüllt werden. Oder in der Gegenrichtung: Solltest du von Anfang an erwarten, dass deine Vorlesung langweilig ist und nichts bringt, wird sich deine Handlungen an diesen Referenzzustand anpassen.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Man kann die eigene Erwartungshaltung ändern – und schwierig ist es zum Glück nicht.

 

So änderst du deine Erwartungshaltung

Die Ausprägung und die Art von Erwartungen sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Deswegen gibt es keine allgemeingültige Anleitung, um Erwartungen komplett abzulegen. Die folgenden Schritte werden dir jedoch dabei helfen, ein Bewusstsein für deine Erwartungshaltung zu entwickeln und diese Schritt für Schritt zu verändern.

 

Schritt 1: Zugeben

Bevor du deine Erwartungshaltung ändern kannst, musst du sie zuerst als Ursache für dein Problem anerkennen. Sobald du akzeptieren kannst, dass dir deine Erwartungen in vielen Lebensbereichen im Weg stehen, kannst du sie aktiv verändern.

 

Schritt 2: Identifizieren

Nachdem du das Problem klar benannt hast, wird es etwas konkreter. Damit du deine Erwartungen gezielt ausschalten oder verändern kannst, musst du sie zunächst identifizieren. Am einfachsten geht das, wenn du deine Erwartungshaltung schriftlich formulierst. Schreibe dazu in einfachen Sätzen auf, was du von welcher Situation erwartest (Beispiel: „Ich erwarte, dass meine Vorlesung interessant, unterhaltsam und unvergesslich wird.“).

 

Schritt 3: Loslassen

Der nächste Schritt ist – meiner Erfahrung nach – der schwierigste: das Loslassen. Dabei musst du mit deinen Erwartungen brechen und dich klar von ihnen distanzieren. Du kannst sie weiterhin als flüchtige Gedanken zulassen, darfst sie aber nicht mehr als richtungsweisende Referenz für dein Leben ansehen.

 

Schritt 4: Umlenken

Neben dem Loslassen kannst du deine Erwartungen auch verändern. Dabei richtest du den Fokus deiner Erwartungshaltung nicht auf äußere Umstände, sondern auf dich selbst. Anstatt „Ich erwarte, dass der Dozent heute eine gute Vorlesung hält“ konzentrierst du dich auf dich selbst: „Ich erwarte, dass ich heute mein Bestes geben werde, unabhängig davon, wie der Dozent ist“. Besonders bei hartnäckigen Verhaltensmustern kann dir diese Technik schrittweise dabei helfen, Erwartungen abzubauen.

 

Schritt 5: Überprüfen

Nur durch regelmäßige Kontrolle deiner mentalen Vorbereitung kannst du sicherstellen, dass dir deine Erwartungen keine Falle stellen. Überprüfe daher regelmäßig deine Erwartungshaltung und nimm Korrekturen vor.

 

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Fazit

Wenn deine Vorlesung nervt und du stattdessen lieber eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt ohne Betäubung über dich ergehen lassen würdest, muss das nicht zwangsläufig an deiner Univeranstaltung selbst liegen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass dir deine eigene Erwartungshaltung im Weg steht. Unrealistische Erwartungen an deinen Dozenten, die Inhalte oder das Arbeitsklima im Hörsaal sorgen für ein verzerrtes Bild von der Realität.

Resultat: Deine Vorlesung nervt.

Um das diesem Zustand entgegenzuwirken, solltest du regelmäßig deine Erwartungen überprüfen und geraderücken. Wie du dabei vorgehen kannst und welche Schritte dir dabei helfen, habe ich dir in diesem Artikel gezeigt.

Lass dich von deiner Erwartungshaltung nicht in die Irre führen. Versuche die Dinge stets objektiv zu sehen und durchbrich den Kreislauf negativer Erwartungen. Das mag am Anfang schwierig und unangenehm sein, doch genau durch dieses Verhalten holst du dir die Macht über dein Studium zurück. Denn: Sobald du deine Erwartungen über Bord wirfst und den Fokus auf die Dinge legst, die du selbst verändern kannst, wirst du eine unaufhaltsame Dynamik entwickeln.

Und die kann selbst der langweiligste Professor mit den schlechtesten PowerPoint-Folien der Welt nicht bremsen.

 

Bild: © Hunter Johnson / unsplash.com
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Autor

Tim Reichel

Tim ist Bestseller-Autor und der Gründer von Studienscheiss. Seit über sechs Jahren hilft er Studenten und löst Probleme im Studium. Außerdem arbeitet er als selbstständiger Coach und als Fachstudienberater an einer großen deutschen Eliteuniversität.

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