Mind Wandering: Wie du durch zerstreute Gedanken und Tagträume wertvolle Zeit verlierst – und was du dagegen tun kannst

von Tim Reichel

Mind Wandering beschreibt einen zerstreuten Geist, der von einem Ort zum nächsten wandert. Dadurch wirst du abgelenkt und verlierst deine Konzentration. Diese Tipps können wir helfen, das Mind Wandering zu unterbrechen und deinen Fokus wiederzufinden.

Wie oft passiert es dir, dass deine Gedanken beim Lernen abschweifen?

Ich wette: oft. Wahrscheinlich ist es dir schon so häufig passiert, dass du gar nicht mehr mitzählen kannst (sofern es dir wie 98 Prozent aller anderen Menschen geht). Gerade warst du noch bei Folie 21 deiner Vorlesung, doch plötzlich denkst du darüber nach, wie es wäre, die Geschicke der Bundesrepublik oder die deines Lieblingssportvereins zu leiten.

Gleichermaßen kann es vorkommen, dass aktuelle Informationen alte Erinnerungen in dir auslösen. Anstatt dich konzentriert mit deinem Lehrbuch auseinanderzusetzen, schweifen deine Gedanken ab und Sekunden später läuft vor deinem geistigen Auge der letzte Geburtstag deiner Oma ab oder du lässt eine längst vergangene Unterhaltung mit einem Freund Revue passieren.

Dieses Phänomen wird in der neurowissenschaftlichen Fachliteratur als Mind Wandering bezeichnet. Was es damit auf sich hat, wie Mind Wandering entsteht und was du dagegen tun kannst, zeige ich dir in diesem Artikel.

 

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Was ist Mind Wandering?

Mind Wandering beschreibt den Grundzustand unseres Gehirns und steht für einen Geist, der von einem Reiz zum nächsten wandert. Laut aktuellen Studien ist der Grundzustand unseres Gehirns nämlich nicht der der Konzentration – sondern der der Zerstreuung. Unsere Gedanken lassen sich zwar teilweise steuern, doch wenn wir einen Moment lang nicht aufpassen, schwirrt unser Geist umher. Dieser Zustand sorgt dann dafür, dass unsere Aufmerksamkeit abgelenkt wird und wir nicht mehr voll bei der Sache sind.

Durch Mind Wandering wird unsere Konzentration zerstreut und wir folgen einem neuen Impuls. Wenn wir beispielsweise gerade an einer wichtigen Aufgabe arbeiten, unser Gehirn aber eine neue „interessante“ Information ausmacht, werden für deren Verfolgung geistige Kapazitäten bereitgestellt. Anstelle von gebündelter Konzentration schweifen unsere Gedanken automatisch ab.

Wir befinden uns ganz natürlich in einem Zustand der geteilten Aufmerksamkeit, in dem sich unser Geist zwischen verschiedenen Dingen hin und her bewegt. Fokussiertes Nachdenken und konzentriertes Arbeiten ist dann kaum noch möglich. Entweder, weil wir keinen klaren Fokus erzeugen können oder weil wir in ausführliche Tagträume abdriften.

Doch wie kommt es dazu?

 

Ursachen von Mind Wandering

Diese Default-Einstellung unseres Denkapparats ist evolutionsbedingt. Unsere frühmenschlichen Vorfahren mussten in der Wildnis ständig nach Gefahren oder Beute Ausschau halten. Jeder Reiz, jede neue Information konnte über Leben oder Tod entscheiden und musste daher sofort aufgenommen werden. Diese wilden Zeiten sind zwar längst vorbei, die automatische Suchfunktion unseres Gehirns ist jedoch geblieben.

Und so scannt unser Geist fleißig weiter die Umwelt nach neuen Einflüssen ab, während wir krampfhaft versuchen, den Fokus auf unsere wichtigsten Aufgaben zu richten. Doch sobald unsere aktuelle Aktivität nicht mehr interessant genug ist oder eine neue Information von außen an uns herantritt, stoppt unser Gehirn seine momentane Tätigkeit und schweift ab.

Der Neurowissenschaftler Thomas Metzinger schätzt in diesem Artikel, dass sich der moderne Mensch ca. zwei Drittel des Tages in diesem torkelnden Zustand befindet. Zwei. Drittel. Des. Tages. Mind Wandering springt damit auf eine Spitzenposition der größten Zeitkiller in unserer Informationsgesellschaft, denn: Ohne Fokus ist eine effiziente Arbeitsweise unmöglich.

Sehen wir uns jetzt an, wozu Mind Wandering führen kann.

 

Nachteile von Mind Wandering

Mind Wandering bringt einige schwerwiegende Nachteile mit sich. Diese können deine Produktivität ruinieren und die Qualität deiner Arbeit stark beeinträchtigen. Dies sind die fünf größten Nachteile:

  • Durch das Abschweifen deiner Gedanken verlierst du deine Konzentration und findest nur mit großem Aufwand zu deiner Aufgabe zurück.
  • Mind Wandering setzt ohne Vorankündigung ein und schleicht sich fast automatisch in deine Arbeitsabläufe ein.
  • Nur die wenigsten Menschen sind gegen Mind Wandering immun. Es kann unabhängig von Ort und Zeit zuschlagen.
  • Mind Wandering kann zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität führen.
  • Längere Phasen des Mind Wandering können deine Motivation zerstören.

Neben diesen handfesten Nachteilen stiehlt dir Mind Wandering zudem sehr viel Zeit. Erstens kostet das Abschweifen und Tagträumen selbst viel Zeit, zweitens geht bei der Rückkehr zu deiner eigentlichen Aufgabe Zeit verloren und drittens dauert es ein paar Minuten, bis du produktiv weiterarbeiten kannst.

Alles in allem ist dieser Zustand sehr unproduktiv. Zum Glück gibt es einige wirkungsvolle Gegenmaßnahmen, mit denen du Mind Wandering abschwächen oder sogar verhindern kannst.

 

Das hilft gegen Mind Wandering

Mit den folgenden Tipps kannst du Mind Wandering jederzeit unterbrechen und zu produktiveren Tätigkeiten zurückkehren. Wie du dabei dauerhaft konzentriert bleiben kannst, zeige ich dir jetzt.

 

Tipp #1: Akzeptiere deinen wandernden Geist!

Im ersten Schritt musst du den Zustand des Mind Wandering akzeptieren und dir klar machen, dass die Natur es so will. Es liegt nicht zwingend an deiner Einstellung oder Persönlichkeit, dass du häufig abgelenkt bist. Wie eingangs erwähnt, ist ein zerstreuter Geist der Grundzustand des menschlichen Gehirns. Sobald du dich damit abfindest und diese „Störungsanfälligkeit“ akzeptierst, kannst du gezielte Gegenmaßnahmen einsetzen.

 

Tipp #2: Sorge für ein klares, motivierendes Ziel!

Erinnerst du dich, warum dein Gehirn automatisch die Umgebung absucht und nach neuen Reizen Ausschau hält? Richtig, um sicherzustellen, dass es du nichts Wichtiges übersiehst und dich dadurch in Gefahr bringst. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn du deiner Schaltzentrale klarmachst, dass deine aktuelle Aufgabe wahnsinnig wichtig für dich ist, wird es die allermeisten Umgebungsreize als weniger interessant einstufen. Dazu brauchst du jedoch ein motivierendes Ziel, an welchem du dein Handeln ausrichten kannst. Hier, hier und hier zeige ich dir, wie du ein solches Ziel formulieren kannst.

 

Tipp #3: Installiere automatische Erinnerungshilfen!

Sollte dich das Mind Wandering dennoch überraschen und deine Gedanken zerstreuen, musst du versuchen, schnell wieder zu deiner aktuellen Aufgabe zurückzufinden. Dazu ist es hilfreich, wenn du regelmäßige Kontrollen in deine Arbeitsabläufe einbaust, um deinen wandernden Geist zurückzuholen. Eine Push-Nachricht – beispielsweise über Outlook oder dein Smartphone – alle 30 Minuten mit der Frage „Bist du noch richtig bei der Sache?“ kann schon ausreichen, um unproduktive Gedankengänge zu unterbrechen.

 

Tipp #4: Verwende einen mentalen Schutzschild!

Sobald du mitbekommst, dass deine Gedanken langsam abdriften, musst du schnell reagieren, um den Angriff auf deine Konzentration abwehren zu können. Ein mentaler Schutzschild kann dir dabei helfen: Dazu legst du dir einen motivierenden Gedanken zurecht, der dich in einem schwachen Moment vor dem Abschweifen schützt. Vor diesem Hintergrund wird auch von dem sogenannten „Eine-Sekunde-Schutzschild“ gesprochen. Die „eine Sekunde“ soll verdeutlichen, dass der Gedanke schnell griffbereit sein muss. Du hast keine Zeit für lange Sachdiskussionen – du musst sofort etwas entgegenhalten. Ein kurzer, einfacher Gedanke eignet sich dazu am besten. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du dir solch ein Schutzschild schmieden kannst.

 

Tipp #5: Lege Pausen ein und lass deine Gedanken bewusst frei!

Je länger du fokussiert an deinen Zielen arbeitest, desto stärker wird dein innerer Drang, dem Mind-Wandering-Mechanismus nachzugeben. Unsere Gehirne sind so programmiert – wir können nichts dagegen tun. Alle Tipps und Strategien können bestenfalls dazu beitragen, diesen Zustand hinauszuzögern oder schnellstmöglich zu unterbrechen. Aus diesem Grund ist es klug, von Zeit zu Zeit dem Mind Wandering nachzugeben und die eigenen Gedanken freizulassen. Lege daher regelmäßig Pausen ein und erlaube dir, in diesen Phasen gedanklich abzuschweifen. Lass deinen Geist wandern und die Umgebung erkunden. Träume ein bisschen – und dann kehre zurück, um konzentriert weiter zu arbeiten.

 

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Fazit

Objektiv betrachtet, ist Mind Wandering eine nützliche Funktion des menschlichen Gehirns. Im historischen Rückblick mag dieser Zustand überlebenswichtig gewesen sein, doch im Informationszeitalter des 21. Jahrhunderts werden wir von unserem zerstreuten Geist sabotiert. Mind Wandering kann unsere Produktivität aushebeln und viele Stunden wertvolle Zeit vernichten.

Aus diesem Grund solltest du dich mit den Mechanismen des Mind Wandering vertraut machen und entsprechende Gegenstrategien einsetzen. Wie du dabei vorgehen kannst, habe ich dir in diesem Artikel gezeigt: Zunächst solltest du deinen wandernden Geist als solchen akzeptieren. Danach ist es hilfreich, ein klares und motivierendes Ziel zu formulieren. Automatische Erinnerungshilfen und ein mentaler Schutzschild können dafür sorgen, das Mind Wandering schnell zu unterbinden und in einen konzentrierten Zustand zurückzukehren.

Letztendlich solltest du deine Gedanken jedoch nicht vollständig einsperren. Erstens wird dir das ohnehin nicht dauerhaft gelingen und zweitens ist es viel klüger, entspannter und auch unterhaltsamer, dem Drang der Zerstreuung von Zeit zu Zeit nachzugeben. Achte dabei nur darauf, dass du dich nicht verlierst und nach deiner mentalen Wandertour fokussiert deine Arbeit wieder aufnimmst.

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Bild: © Yeshi Kangrang / unsplash.com
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Autor

Tim Reichel

Tim ist Autor, Wissenschaftler und der Gründer von Studienscheiss. Seit über sieben Jahren coacht er Studenten und löst Probleme im Studium. Außerdem hält er Vorträge, veranstaltet Seminare und arbeitet er an einer großen deutschen Universität als Studienberater. Hier erfährst du mehr über Tim Reichel

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