Warum dich eine Deadline beim Studieren richtig produktiv macht

Warum dich eine Deadline erst produktiv macht und wie du sie beim Studieren richtig einsetzt

von Tim Reichel

Im Studium läufst du ihnen an jeder Ecke über den Weg: Deadlines. Jeder kennt sie - und fast jeder findet sie nervig. Doch viele setzen Fristen falsch ein und werden deswegen gar nicht erst produktiv...

Im Studium läufst du ihnen an jeder Ecke über den Weg: Deadlines. Klausurtermine, Abgabefristen für die Studienarbeit oder Tage, an denen Projektberichte fällig werden. Deadlines kennt jeder – und fast jeder findet sie nervig.

Dabei ist eine Deadline an sich etwas Gutes und kann dir dabei helfen, fokussiert und produktiv zu studieren. Du musst sie nur richtig einsetzen.

Aber genau darin liegt das Problem: Wie sollst du mit vorgegebenen Deadlines am besten umgehen? Wie kannst du sinnvoll eigene Deadlines in dein Leben einbauen? Und wann machen dich diese Fristen produktiv, ohne unnötigen Druck zu erzeugen?

Darüber habe ich mir Gedanken gemacht und in diesem Artikel einige Praxistipps für dich und dein Studium zusammengestellt.

Aber zuerst sehen wir uns das Phänomen Deadline etwas genauer an.

 

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Die Nacht vor der Prüfung

Viele Studenten gehen sehr verschwenderisch mit ihrer Zeit um und erleben Deadlines deswegen sehr intensiv. Bei mir war es so – und bei dir vielleicht auch.

Denk einfach mal an deine letzte Prüfung zurück: Wann hast du mit der Vorbereitung angefangen? Direkt nach der ersten Vorlesung? Irgendwann am Anfang oder in der Mitte des Semesters? Oder ein paar Tage vor dem Prüfungstermin?

Beim überwiegenden Teil deiner Prüfungen schiebst du das Lernen auf und gibst erst in letzter Minute richtig Gas. Vorher googelst du vielleicht ein Bisschen zum Thema, machst dir ein paar Notizen oder mogelst dir zwei bis drei Karteikarten zurecht – aber ansonsten trödelst du rum.

Erst ganz kurz vor der Deadline werden viele Menschen am produktivsten. Daher kommt auch die bekannte Studentenweisheit:

In der Nacht vor der Prüfung lernt man am meisten!

Dabei müsste es eigentlich heißen:

In der Nacht vor der Prüfung lernt man das Wichtigste!

Die Deadline zwingt dich nämlich dazu, dich auf die wichtigsten Inhalte zu konzentrieren und den restlichen Kleinkram links liegen zu lassen. Und eben das fühlt sich an wie „das meiste“. Weil es gute Ergebnisse bringt und dir zeigt: Wenn du dich auf die wesentlichen Punkte einer Aufgabe beschränkst und ohne Ablenkung arbeitest, kannst du in kürzester Zeit Großes leisten.

Hättest du mit dieser Nacht-vor-der-Prüfung-Methode die Tage und Wochen vorher gelernt – deine Noten würden steil durch die Decke gehen. Die Frage ist nur: Warum tust du das nicht?

Dazu zwei Erklärungsansätze.

 

Das Parkinson’sche Gesetz

Der menschliche Umgang mit Zeit und Arbeitsdruck wird seit jeher von Forschern und Wissenschaftlern untersucht. Einer der bekanntesten ist der britische Soziologe Cyril Parkinson. Von ihm stammt auch die folgende Beschreibung, die später als das Parkinson’sche Gesetz berühmt wurde:

Eine Aufgabe dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.

Aufgaben ohne genaue Terminierung sind unendlich dehnbar und nehmen riesige Zeitfenster ein. Produktives Arbeiten ist fast nicht möglich, weil wir wahre Meister darin sind, uns selbst zu sabotieren und nach Ablenkungen zu suchen.

Eine Deadline aber schärft unseren Fokus. Wir werden dazu gezwungen, uns auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren, weil keine Zeit für Nebensächlichkeiten bleibt. Deswegen sind Deadlines so nützlich; unbequem und nervig, aber nützlich.

Wenn dir eine Nacht Zeit bleibt, um dich auf eine Prüfung vorzubereiten, bist du unter diesem Zeitdruck gezwungen, dich auf das absolut Notwendigste zu konzentrieren. Am nächsten Tag ist Prüfung – du darfst keine Zeit verlieren!

Wenn du eine Woche Zeit hast, wirst du die ersten Tage mit unproduktivem Kram vertrödeln, dich mit vielen Kleinigkeiten aufhalten und zum Ende hin immer fokussierter lernen. Wenn du aber – Gott bewahre – einen Monat lang Zeit hast, verzettelst du dich komplett, arbeitest viel zu perfektionistisch und kannst eine effiziente Prüfungsvorbereitung vergessen.

 

Die Edwards-Regel

Eine bevorstehende Deadline hat großen Einfluss darauf, wie lange wir brauchen, um eine Aufgabe zu erledigen und wann der meiste Fortschritt zur Fertigstellung erreicht wird.

Und genau darum dreht sich die Edwards-Regel. Sie lautet:

Der investierte Aufwand in die Erledigung einer Aufgabe steigt umgekehrt proportional zur verbleibenden Zeit.

Oder auf Deutsch: Je weniger Zeit du für eine Aufgabe hast, umso mehr legst du dich ins Zeug. Und anders herum: Wenn noch viel Zeit bis zur Deadline bleibt, wirst du mit minimalem Einsatz an deiner Aufgabe arbeiten.

Zum Parkinson’schen Gesetz und zur Edwards-Regel habe ich jetzt noch eine erklärende Grafik für dich (Quelle: Bachelor of Time):

Die meisten Ergebnisse werden erst kurz vor Ende der Deadline erreicht – vorher ist deine Leistungskurve eher flach. Je weiter die Deadline also in der Zukunft liegt, je mehr Zeit uns bleibt, desto einfallsreicher werden wir darin, diese Zeit zu füllen. Nur leider mit unproduktivem Quatsch, der uns nicht weiterbringt.

Doch mit ein paar einfachen Tricks kannst du den Schalter umlegen und deine Deadlines für dich arbeiten lassen.

 

Deadlines richtig einsetzen: Die beiden Mittel zur Produktivität

Viele Deadlines in deinem Studium sind – so wie du sie vorfindest – völlig ungeeignet. Sie liegen viel zu weit in der Zukunft, sind kaum greifbar und erzeugen einen hohen Erwartungsdruck, der dich eher blockiert als motiviert.

Aber das stellen wir jetzt ab.

Das einzige, was du dazu tun musst, ist, deine großen Deadlines in kleine Deadlines zu unterteilen. Zerstückle deine großen, schweren Aufgaben in kleine Häppchen und weise jedem Schritt eine eigene, kleine Deadline zu.

Diese muss zwei Bedingungen erfüllen:

  • Deine Deadline muss zeitnah sein.
  • Deine Deadline muss verbindlich sein.

Deadlines, die erst in mehreren Wochen oder Monaten relevant werden, bringen dich nicht weiter. Solche Termine bauen nur mentalen Druck auf und verleiten dich dazu, ineffizient zu arbeiten.

Tipp (zeitnah): Lege deine Deadline in Tagen an und gehe auf Fristen, die maximal drei bis fünf Tage dauern.

Genauso wenig helfen dir Deadlines, die überhaupt keinen Druck auf dich ausüben. Wenn du schon von Anfang an weißt, dass ein Überschreiten der Frist keine Konsequenzen für dich haben wird, ist deine Deadline wertlos.

Tipp (verbindlich): Installiere einen Kontrollmechanismus, der dich motiviert und positiv unter Druck setzt. Das können zum Beispiel Lernpartner, Nachhilfelehrer oder auch ein Lerntagebuch sein.

Mehr musst du nicht tun, um aus ineffizienten Deadlines motivierende Produktivitäsbooster zu machen. Dazu zeige ich dir noch ein Beispiel.

 

Beispiel: So helfen Deadlines beim Studieren

Angenommen, du möchtest dich für eine Prüfung vorbereiten, die erst in drei Monaten stattfindet. Wenn du an dieser Stelle den Prüfungstermin als einzige Deadline nimmst, bist du deinem Prokrastinationszwang schutzlos ausgeliefert. Dein Ziel liegt so weit in der Zukunft, dass es dir sehr schwer fallen wird, konzentriert und motiviert dafür zu lernen.

Was wir also brauchen, sind neue und bessere Deadlines. Und die basteln wir uns so wie im vorherigen Absatz beschrieben: Wir zerteilen deine große Aufgabe in kleine Teile und weisen jedem Teilschritt eine zeitnahe und verbindliche Deadline zu.

Deine Klausurvorbereitung könnte zum Beispiel daraus bestehen, die Vorlesungsfolien zusammenzufassen, das Buch vom Prof zu lesen und alte Prüfungsaufgaben zu wiederholen. Als Kontrollmechanismus beschließt du, ab heute ein Lerntagebuch zu führen und dich jede Woche mit deinem Lernpartner zu treffen.

Dein Plan könnte dann so aussehen:

1. Tag: Alle Folien, Buchkapitel und alte Prüfungsaufgaben besorgt und sortiert.

3. Tag: Folien (#1 bis #50) zusammengefasst

6. Tag: Buch gelesen (Kapitel 1-2)

10. Tag: Folien (#51 bis #100) zusammengefasst

13. Tag: Folien (#101 bis #200) zusammengefasst

16. Tag: Buch gelesen (Kapitel 3-4)

20. Tag: Buch gelesen (Kapitel 5-6)

23. Tag: Prüfungsaufgaben bearbeitet (WS13/14)

26. Tag: Prüfungsaufgaben bearbeitet (WS14/15)

Diese Liste kannst du nun Schritt für Schritt weiterführen, indem du jede Teilaufgabe aufnimmst und dieser eine feste Deadline zuordnest.

 

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Fazit

Deadlines sind nützlich und können dich zu Höchstleistungen motivieren. Allerdings nur, wenn du sie richtig einsetzt, sodass sie dich fordern – aber nicht überfordern.

Mit verbindlichen Deadlines in naher Zukunft kannst du deine Produktivität deutlich erhöhen. Wichtig ist, dass du allen Aufgaben eine genaue Frist zuordnest und dich auch daran hältst. Wie das funktionieren kann, habe ich dir in diesem Artikel gezeigt.

Bei vorgegebenen Deadlines, die weit in der Zukunft liegen, zerteilst du das übergeordnete Ziel in Zwischenschritte und setzt dir selbst kleine Deadlines, damit du dich auf das Wesentliche konzentrieren kannst und nicht abgelenkt wirst. Ziel dabei ist es, dass du deine große Deadline zwar im Blick behältst, dich aber zuerst auf die zeitnahen Mini-Deadlines konzentrierst.

Dadurch kommst du deinem großen Ziel langsam und gemütlich näher, ohne am Ende gestresst und unmotiviert zu sein.

 

Bild: © Ryan McGuire / gratisography.com
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Autor

Tim Reichel

Tim ist Bestseller-Autor und der Gründer von Studienscheiss. Seit über sechs Jahren hilft er Studenten und löst Probleme im Studium. Außerdem arbeitet er als selbstständiger Coach und als Fachstudienberater an einer großen deutschen Eliteuniversität.

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