Durchlernen oder Pause machen? So findest du deinen Arbeitsrhythmus!

Durchlernen oder Pause machen? So findest du deinen individuellen Arbeitsrhythmus!

von Tim Reichel

Dein Arbeitsrhythmus bestimmt, wie erfolgreich du große Aufgaben im Studium erledigen kannst und zeigt dir, ob du Pause machen oder weiterlernen solltst...

Bei fast jeder meiner Prüfungsvorbereitungen habe ich an ein bekanntes Zitat von Winston Churchill gedacht. Dabei war es egal, ob ich für die nächste Klausur, eine mündliche Präsentation oder meine Doktorprüfung gelernt habe. Das besagte Zitat lautet:

Wenn du durch die Hölle gehst, geh weiter.

Was uns der knurrige Engländer damit sagen wollte, ist klar: Wenn du eine schwere Zeit durchmachst, dann halte dich nicht lange damit auf. Verweile nicht bei diesen Umständen, sondern arbeite dich wieder nach vorne. Bleib in Bewegung und sieh zu, dass du die Situation schnell hinter dir lässt. Augen zu und durch.

Die meisten Studenten handeln genauso, wenn es um ihre Lieblingsbeschäftigung geht: das Lernen. Besonders, wenn sie unter Zeitdruck geraten und ihre Prüfungen immer näher rücken, verfallen sie in diesen Modus. Einmal vor den Lernunterlagen angekommen, bleiben sie stundenlang am Schreibtisch und arbeiten so lange, bis ihnen die Augen zufallen. Durchlernen ist angesagt, ansonsten schaffen sie den Prüfungsstoff nicht.

Leider ist diese Strategie alles – nur nicht effizient.

Diese Studenten sind zwar stark beschäftigt, doch von den aufgenommenen Informationen behalten sie nur einen Bruchteil im Gedächtnis. Verständnis und nachhaltige Erkenntnisse? Fehlanzeige. Von guten Prüfungsergebnissen ganz zu schweigen.

Warum ist das so? Weil diese Studenten ihren Arbeitsrhythmus nicht beachten. Was es damit auf sich hat und wie du deinen individuellen Arbeitsrhythmus beim Studieren finden kannst, zeige ich dir in diesem Artikel.

 

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Was ist ein Arbeitsrhythmus?

Unter dem Begriff Arbeitsrhythmus versteht man die Struktur und zeitliche Abfolge verschiedener Einheiten, in denen Arbeit geleistet wird. Die einzelnen Arbeitsintervalle sind dabei durch kleine und größere Pausen oder Zeitfenster mit anderen Beschäftigungen voneinander getrennt. Die Zusammenstellung dieser Leistungs- und Erholungseinheiten bildet in ihrer Gesamtheit den Arbeitsrhythmus.

Eigentlich ganz einfach. Erschwert wird die Sache nur dadurch, dass fast Menschen nach einem eigenen, individuellen Arbeitsrhythmus handelt.

Eine exakte Definition in Bezug auf die Anzahl der Einheiten oder deren Dauer ist daher im Allgemeinen nicht möglich. Es gibt jedoch ein paar Gesetzmäßigkeiten, auf deren Basis sich jeder Mensch an den eigenen Arbeitsrhythmus herantasten kann. Die persönliche Konzentration- und Leistungsfähigkeit spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Sehen wir uns das etwas genauer an.

 

Leistung und Konzentration im zeitlichen Verlauf

Wenn du über einen längeren Zeitraum an einer bestimmten Aufgabe arbeitest, wirst du feststellen, dass deine Konzentration kontinuierlich abnimmt. Mit der Zeit lässt deine Leistungsfähigkeit nach und die Arbeit fällt dir immer schwerer. Dieses Phänomen wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien unter verschiedenen Rahmenbedingungen untersucht und immer wieder bestätigt. Eine in der Zeitmanagement-Literatur weitverbreitete grafische Darstellung sieht in etwa so aus:

Sobald du mit Bearbeitung einer Aufgabe beginnst, befindet sich deine Leistungsfähigkeit auf einem hohen Niveau (knapp unter 100 Prozent). Dieses Level kann aber nur für einen kurzen Zeitraum gehalten werden, denn schon nach ca. zehn Minuten nimmt deine Leistung deutlich ab. Nach zehn weiteren Minuten hat sich dein Leistungsniveau bei einer Marke von ca. 70 Prozent eingependelt und findet ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu deiner besten Performance zurück.

Schlimmer noch: Ungefähr ab Minute 40 fällt deine Leistungskurve steil ab und nähert sich nach einer Stunde dem Leistungsnullpunkt. Jede weitere Minute, die du dann noch in deine Arbeit investierst, ist rausgeschmissene Zeit und bringt dich deinen Zielen nicht näher.

Natürlich ist dieser zeitliche Verlauf eine gemittelte und zum Teil idealistische Verzerrung der Wirklichkeit. Trotzdem lassen sich einige wichtige Tendenzen daraus ableiten und auf deine eigenen Verhaltensmuster übertragen.

 

Wie du dauerhaft konzentriert und leistungsfähig bleibst

Die Kurve von oben hat gezeigt: Deine Leistungsfähigkeit nimmt mit der Zeit ab. Erst moderat, dann ab einem gewissen Zeitpunkt besonders drastisch. Daraus ergeben sich zwei Fragen für deinen persönlichen Arbeitsrhythmus. Erstens: Wie lange kannst du ein hohes Leistungsniveau halten (wann bricht deine Leistung ein)? Und zweitens: Was kannst du gegen das Abflachen der Kurve tun, um langfristig konzentriert und leistungsfähig zu bleiben?

Mit der ersten Frage beschäftigen wir uns gleich. Zuerst kümmern wir uns um Frage 2: Wie bleibst du dauerhaft leistungsfähig. Nun, wenn deine Leistungskurve in einem Arbeitsintervall abnimmt und ab einem bestimmten Zeitpunkt keine effizienten Ergebnisse mehr versprichst, hast du genau zwei Möglichkeiten: Weitermachen (mit einem geringen Wirkungsgrad) oder eine Pause einlegen und im Anschluss daran auf einem gesteigerten Leistungsniveau (mit einem hohen Wirkungsgrad) erneut beginnen.

Ich wäre für Option 2.

Wenn du deinen Arbeitsrhythmus abwechselnd mit produktiven und erholsamen Einheiten durchmischst, kannst du deine durchschnittliche Leistungsfähigkeit über einen langen Zeitraum aufrechterhalten. Grafisch kannst du dir diese Einteilung so vorstellen:

Zu Beginn einer Aufgabe steigt deine Leistungskurve stark an und findet sich – wie oben beschrieben – auf einem hohen Niveau wieder. Sobald deine Leistung abfällt und deine Arbeitsweise unproduktiv wird, legst du eine kleine Erholungspause ein und startest danach direkt mit einem neuen Arbeitsintervall. Auf diese Weise kannst du viele kleine effiziente Einheiten aneinanderreihen und damit deutlich bessere Ergebnisse produzieren als mit einer großen, ineffizienten Session.

Du unterbrichst die Kurve von oben sozusagen und schneidest sie an der Stelle ab, an der deine Leistungsfähigkeit nicht mehr hoch genug ist. Dann regenerierst du dich und startest eine „neue Kurve“ – allerdings wieder auf einem hohen Leistungsniveau. Diese Strategie klingt eigentlich zu einfach, um wahr zu sein, doch ich kann dir versichern: Sie funktioniert.

Jetzt kommen wir zurück zu Frage 1 und suchen deinen persönlichen Rhythmus.

 

So findest du deinen individuellen Arbeitsrhythmus

Wenn es um deinen Arbeitsrhythmus geht, steht vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Wie lange kannst du dich produktiv mit einer Aufgabe beschäftigen, BEVOR deine Leistungsfähigkeit abnimmt? Um herauszufinden, wie lange diese Zeitspanne bei dir andauert, kannst du die folgenden fünf Schritte durchführen:

 

Schritt 1: Bestimme eine Aufgabe!

Wähle eine Ausgabe aus, mit der du dich konzentriert beschäftigen möchtest. Im besten Fall solltest du eine Arbeit bestimmen, die du häufig ausführst und deren Verlauf du verbessern möchtest. Dein Arbeitsrhythmus kann je nach Aufgabe zum Teil sehr unterschiedlich ausfallen. Darum ist es wichtig, dass du dich bewusst festlegst.

 

Schritt 2: Definiere ein schriftliches Ziel!

Nur, wenn du deinem Arbeitsintervall ein festes Ziel zuweist, kannst du deine Leistungsfähigkeit objektiv beurteilen. Ohne Ziel bringst du zwar deine Energie ein – diese wird aber nicht produktiv und zielgerichtet umgesetzt. Dadurch schwächst du deine Leistung ab der ersten Sekunde und bremst dich selbst aus.

 

Schritt 3: Miss die Zeit!

Nimm eine Uhr oder dein Smartphone zur Hand und stoppe die Zeit, in der du deine Aufgabe bearbeitest. Am besten erstellst du eine Tabelle oder ein Gitternetz wie in der ersten Grafik von oben, damit deine Leistung zeitlich genau aufnehmen kannst.

 

Schritt 4: Arbeite für 60 Minuten an deiner Aufgabe!

Jetzt gilt es: Starte ein Arbeitsintervall und beginne mit der Bearbeitung deiner Aufgabe. Arbeite dazu exakt 60 Minuten lang an der Aufgabe und höre nach dieser Zeit auf. Selbst wenn du merkst, dass deine Leistung nachlässt, solltest du trotzdem die 60 Minuten durchhalten, damit du den kompletten Verlauf dokumentieren kannst. Apropos:

 

Schritt 5: Schätze und dokumentiere deine Leistungsfähigkeit!

Nutze deinen Timer oder deine Uhr und nimm in regelmäßigen Abständen (zum Beispiel alle fünf Minuten) eine Schätzung deiner aktuellen Leistungsfähigkeit vor. Versuche dabei, zu beurteilen, wie weit du von deinem Leistungsmaximum und -minimum entfernt bist und gib deine Leistung in Prozent an. Dein Ziel sollte es sein, eine vollständige persönliche Leistungskurve zu erstellen.

 

Lass dir Zeit für die Beurteilung und wiederhole die fünf Schritte am besten in fünf bis zehn Intervallen. Auf diese Weise kannst du natürliche Schwankungen deiner Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit herausfiltern und erhältst ein realistisches Bild von deinem Arbeitsrhythmus. Zur Orientierung und Inspiration habe ich noch drei Beispiele für dich.

 

Beispiele für deinen Arbeitsrhythmus

 

1. 52+17-Regel

In einer Studie haben Forscher der lettischen Draugiem Group nach dem optimalen Arbeitsrhythmus gesucht. Dabei haben sie herausgefunden, dass die Teilnehmer in einem Rhythmus von 52 Minuten arbeiten und 17 Minuten pausieren am produktivsten waren. Als Hauptgrund für die gute Performance gaben die Forscher allerdings nicht die Dauer der Einheiten, sondern die Qualität der Pause an. Dadurch, dass die Probanden ihre Pausenzeit ausschließlich für Erholung, Sport und Unterhaltung nutzen, konnten sie im Anschluss optimal mit der Arbeit fortfahren.

Hintergrundinformationen zur besagten Studie findest du hier.

 

2. Pomodoro-Technik

Die Pomodoro-Technik ist eine der bekanntesten Zeitmanagementmethoden und wurde von dem Italiener Francesco Cirillo in den 1980er Jahren entwickelt. Bei dieser Technik unterteilst du deine Aufgabe in Etappen und bearbeitest diese in kleinen, effizienten Zeitintervallen. Nach einem Intervall, das typischerweise 25 Minuten dauert, legst du eine Pause von fünf Minuten ein und beginnst dann von vorne. Nach vier Arbeitsintervallen folgt eine längere Erholungspause von 25 Minuten.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du die Pomodoro-Technik einsetzen kannst.

 

3. Biorhythmus

Deine Leistungsfähigkeit ist über den Tag nicht auf einem konstanten Niveau; sie schwankt und richtet sich nach deinem Biorhythmus. Dieser hat zusammen mit deinem Arbeitsrhythmus großen Einfluss darauf, wie gut du die Konzentration halten und deine Aufgaben erledigen kannst. Sobald du deinen Biorhythmus kennst und dir deine Arbeiten entsprechend einteilst, wirst du deutlich effizienter handeln und bessere Ergebnisse produzieren. Außerdem sparst du damit Zeit und Energie.

In diesem Artikel erkläre ich, wie du deinen Biorhythmus bestimmst.

 

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Fazit

Dein Arbeitsrhythmus hat großen Einfluss darauf, wie schnell und erfolgreich du große Aufgaben im Studium erledigen kannst. Viele Studenten kennen ihren Arbeitsrhythmus nicht und verschwenden deswegen unglaublich viel Zeit und Energie mit unproduktiven Arbeiten. Früher gehörte ich auch zu dieser Sorte – doch mittlerweile weiß ich es besser.

Wenn du deine Fähigkeiten geschickter nutzen und das Beste aus deinen Lerneinheiten herausholen möchtest, musst du deine persönliche Leistungskurve kennen und deinen Rhythmus entsprechend anpassen. Wie du dabei vorgehen kannst, habe ich dir in diesem Artikel gezeigt.

Eine Sache noch: Dein Arbeitsrhythmus ist eine dynamische Größe. Er kann von Zeit zu Zeit schwanken, täglich leicht variieren und richtet sich nach deinen persönlichen Umständen (Biorhythmus, siehe oben). Es ist daher völlig normal, wenn du am Anfang etwas suchen und ausprobieren musst, um deine eigene Struktur zu finden.

Lass dich davon nicht abhalten. Es lohnt sich.

 

Bild: © rawpixel / unsplash.com
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Autor

Tim Reichel

Tim ist Bestseller-Autor und der Gründer von Studienscheiss. Seit über sechs Jahren hilft er Studenten und löst Probleme im Studium. Außerdem arbeitet er als selbstständiger Coach und als Fachstudienberater an einer großen deutschen Eliteuniversität.

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