Wie du dir mit der Loci-Methode deinen Lernstoff einfacher, schneller und besser merken kannst

Wie du dir mit der Loci-Methode deinen Lernstoff einfacher, schneller und besser merken kannst

von Tim Reichel

Die Loci-Methode ist eine einfache und erfolgsversprechende Lerntechnik für alle, die sich viele Fakten und Informationen merken müssen. So funktioniert sie

„Die 1,0 in Rechtswissenschaften habe ich meiner Küche zu verdanken.“

Sätze, die man selten hört. Erstens, weil es fast nie eine 1,0 in Jura-Fächern gibt; zweitens, weil eine Küche genauso viel mit Rechtswissenschaften zu tun hat wie das zerkaute Spielzeug meines Hundes – nämlich gar nichts. Auf den ersten Blick ist diese These also völliger Quatsch. Aber wie gesagt: Nur auf den ersten Blick.

Es war kurz nach meinem zweiten Semester als einer meiner Kommilitonen den Satz von oben zum Besten gab. Wir waren beim Mittagessen und berichteten uns gegenseitig von der letzten Prüfungsphase. Drei von uns hatten die besagte Prüfung nicht bestanden. Unser Kommilitone (nennen wir ihn Daniel) schrieb hingegen die beste Klausur des Jahrgangs. Wie hatte er das geschafft? Was hatte er anders gemacht als wir?

„Was hat deine Küche damit zu tun?“ wollten wir wissen. „Meine Küche hilft mir beim Lernen. Um genau zu sein, ist es eine neue Lerntechnik, die ich ausprobiert habe. Und die scheint ganz gut zu funktionieren.“ Daniel sprach von der Loci-Methode – einer Technik, mit der man sich große Mengen an Informationen leicht einprägen und problemlos auswendig lernen kann. Seit diesem Zeitpunkt benutze ich die Loci-Methode regelmäßig und erziele mit ihr große Erfolge.

In diesem Artikel gebe ich mein Wissen an dich weiter und zeige dir, wie auch du mit dieser einfachen Lerntechnik zum Gedächtnisweltmeister werden kannst.

 

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Was ist die Loci-Methode?

Die Loci-Methode ist eine Lerntechnik, die auf Assoziationen beruht. Sie gehört zur Gruppe der Mnemotechniken und funktioniert ähnlich wie andere Merkhilfen aus dieser Kategorie (wie z.B. Eselsbrücken): Abstrakte Informationen (wie z.B. Zahlen, Texte oder Formeln) werden mit praktischen Dingen aus dem persönlichen Alltag in Verbindung gebracht und verknüpft. Damit wird die Funktionsweise des menschlichen Gehirns bestmöglich ausgenutzt, weil sich Bilder und Zusammenhänge besser ins Gedächtnis einprägen als reine Fakten.

Die Ursprünge der Loci-Methode reichen bis in das alte Griechenland zurück. Vor rund 2.500 Jahren wurde diese Technik von den besten antiken Rednern eingesetzt, um stundenlange Vorträge und Debatten völlig frei halten zu können. Die Bedeutung „Loci“ leitet sich vom lateinischen Wort locus für „Ort“, „Stelle“ oder „Platz“ ab. Daher spricht man gelegentlich auch von „Lokalisationstechnik oder Routenmethode. Warum das so ist und wie die Loci-Methode funktioniert sehen wir uns jetzt an.

 

So funktioniert die Loci-Methode

Die Funktionsweise der Loci-Technik ist einfach. Ihre Anwendung erfordert keinerlei Vorkenntnisse und erste Ergebnisse werden schon nach kurzer Zeit sichtbar. Insgesamt besteht diese Methode aus vier Schritten:

  • Schritt 1: Suche dir einen bekannten Platz und wähle an diesem Ort bestimmte (Weg-)Punkte aus! (Beispiel: Küche)
  • Schritt 2: Lege eine Reihenfolge für diese Punkte fest und bestimme daraus eine Route, die du dir gut merken kannst! (Beispiel: Kühlschrank, Backofen, Tisch…)
  • Schritt 3: Verknüpfe eine zu lernende Information als mentales Bild mit einem der Routenpunkte! (Beispiel: Kühlschrank – Anwendungsbeispiel von §27a, Backofen – Anwendungsbeispiel von §27b…)
  • Schritt 4: Rufe die abgelegten Informationen ab, indem du einen „geistigen Spaziergang“ entlang deiner Route machst!

Hört sich einfach an? Ist es auch. Doch die Loci-Methode hat noch weitere Vorzüge.

 

Warum du mit der Loci-Methode lernen solltest

Als ich diese Technik zum ersten Mal nachlas, dachte ich so etwas wie: „Das kann unmöglich funktionieren. Es ist viel zu simpel und außerdem werde ich hunderte Seiten von Fachwissen nicht ohne Weiteres abspeichern können.“ Ich lag falsch. Die Kraft der örtlichen Verknüpfungen war so stark, dass ich mir selbst die kompliziertesten Zusammenhänge, die krummsten Kennzahlen und die langweiligsten Definitionen einprägen konnte. Und das nur, weil ich ein paar bekannte Orte miteinander verknüpft hatte.

Die Loci-Methode kannst du jederzeit anwenden und für jeden Lernumfang anpassen. Es spielt keine Rolle, ob du dir 3, 20 oder 4.287 Informationen merken musst. Du passt einfach die Länge deiner Route an oder legst verschiedene Abschnitte fest. Dabei kannst du entweder sehr „grobe“ Orte wählen (Küche) oder detaillierter vorgehen, indem du z. B. den Inhalt deines Gewürzschranks als Route festlegst (Salz, Pfeffer, Curry…).

Die Verbindung dieser realen, physischen Stellen mit abstrakten Inhalten und mentalen Bildern wird deine Gedächtnisleistung um ein Vielfaches steigern und dir stundenweise Zeit sparen. Du brauchst keine teuren Nachhilfekurse oder Utensilien zur Unterstützung – nur einen Ort und etwas Fantasie.

Noch nicht überzeugt? Na gut. Dann sehen wir uns die Vorteile der Loci-Methode etwas genauer an.

 

Vorteile der Loci-Methode

Die Loci-Methode bringt deinen Lernstoff aus deinem Kopf in die Realität. Und dadurch wird er real und lässt sich besser merken. Diese Technik hilft dir dabei, komplexe Informationsstrukturen aufzubrechen, zu ordnen und zu visualisieren. Zudem nutzt sie die Funktionsweise deines Gehirns besser als jede Karteikarte oder andere statische Lerntechniken.

Das hier sind die sieben wichtigsten Vorteile der Loci-Methode:

  • Viele Informationen prägen sich leicht ein
  • Der Lernstoff wird klar strukturiert (nämlich nach den Routenpunkten)
  • Verschiedene Sinne werden beim Lernen angesprochen
  • Dein visuelles Gedächtnis wird aktiviert
  • Die Methode unterstützt das natürliche Verhalten deines Gehirns und wirkt diesem nicht entgegen
  • Du brauchst keine Hilfsmittel oder andere Unterstützung
  • Die Loci-Technik ist flexibel an fast jede Lernsituation anpassbar

Besonders dann, wenn du viel Stoff für deine nächste Prüfung auswendig lernen musst, kann dir die Loci-Methode gute Dienste erweisen. Sie liefert in kürzester Zeit Ergebnisse und kann in nahezu jedem Fach angewendet werden. Ein paar Regeln solltest du jedoch beachten.

 

Worauf du bei der Loci-Methode achten solltest

Wenn du mit der Loci-Methode nachhaltigen Erfolg haben möchtest, musst du sie effizient anwenden. Das bedeutet: Du solltest deine Lernrouten planen und nach einem gewissen System festlegen. Falls du dir bei jeder Prüfungsvorbereitung spontan neue Routen überlegst und deine Wegpunkte ohne Strategie bestimmst, wirst du nach einer gewissen Zeit durcheinanderkommen. Die zuvor klare Struktur führt dann zur Verwirrung, weil sie keinem logischen System folgt.

Halte dich daher an die folgenden Regeln, wenn du langfristig mit der Loci-Methode lernen möchtest:

  • Regel 1: Lege Routen nur in einer dir gut bekannten Umgebung fest.
  • Regel 2: Die Abfolge der Routenpunkte muss klar und eindeutig sein.
  • Regel 3: Die Routenpunkte sollten sich gut voneinander unterscheiden.
  • Regel 4: Die Routenpunkte an sich müssen eindeutig und ohne Zweifel zuordbar sein.
  • Regel 5: Die Routenpunkte sollten alle in etwa die gleiche Größe haben und nicht zu groß oder zu klein sein.
  • Regel 6: Die Routenpunkte sollten nicht zu nah beieinanderliegen.
  • Regel 7: Notiere deine Routen, damit du nicht durcheinanderkommst.

So, das war genug Theorie für heute. Jetzt zeige ich dir, wie du die Loci-Methode in deinem Studium anwenden kannst.

 

Wie du dir deinen Lernstoff einfacher, schneller und besser merken kannst

Für deinen ersten Einsatz der Loci-Methode brauchst du im Prinzip nur die vier Schritte von oben zu durchlaufen und dabei die sieben Regeln von gerade eben beachten. Mehr ist es am Anfang nicht – und das macht diese Methode so erfolgreich. Langfristig musst du etwas professioneller vorgehen und deine Lernaktivitäten planen. Für den Start ist das aber nicht notwendig.

So kannst du dabei vorgehen (Wiederholung):

  • Schritt 1: Suche dir einen bekannten Platz und wähle an diesem Ort bestimmte (Weg-)Punkte aus! (Beispiel: Küche)
  • Schritt 2: Lege eine Reihenfolge für diese Punkte fest und bestimme daraus eine Route, die du dir gut merken kannst! (Beispiel: Kühlschrank, Backofen, Tisch…)
  • Schritt 3: Verknüpfe eine zu lernende Information als mentales Bild mit einem der Routenpunkte! (Beispiel: Kühlschrank – Anwendungsbeispiel von §27a, Backofen – Anwendungsbeispiel von §27b…)
  • Schritt 4: Rufe die abgelegten Informationen ab, indem du einen „geistigen Spaziergang“ entlang deiner Route machst!

Dazu habe ich drei Beispiele für dich zusammengestellt:

 

Beispiel 1: Lernen für die Statistikprüfung

  • Schritt 1: Platz aussuchen und Wegpunkte bestimmen
    Badezimmer (Waschbecken, Spiegel, Zahnbürste, Handtuchhalter…)
  • Schritt 2: Reihenfolge festlegen
    Waschbecken, Handtuchhalter, Zahnbürste, Spiegel…
  • Schritt 3: Informationen verknüpfen
    Waschbecken – Definition „Varianz“, Handtuchhalter – Herleitung „Formel #1“, Zahnbürste – Definition „Standardabweichung“, Spiegel – Herleitung „Formel #2“…
  • Schritt 4: Geistiger Spaziergang entlang der Routenpunkte

 

Beispiel 2: Lernen für die BWL-Prüfung

  • Schritt 1: Platz aussuchen und Wegpunkte bestimmen
    Schuhschrank im Flur (Sneaker (weiß), Sneaker (rot), Lederschuhe, Stiefel…)
  • Schritt 2: Reihenfolge festlegen
    Stiefel, Lederschuhe, Sneaker (rot), Sneaker (weiß)…
  • Schritt 3: Informationen verknüpfen
    Stiefel – Vorteile von Modell X, Lederschuhe – Nachteile von Modell Y, Sneaker (rot) – Lösungsweg Problem Z, Sneaker (weiß) – Definition mit Jahreszahl…
  • Schritt 4: Geistiger Spaziergang entlang der Routenpunkte

 

Beispiel 3: Lernen für den Sprachtest

  • Schritt 1: Platz aussuchen und Wegpunkte bestimmen
    Garten der Eltern (Gartenhäuschen, Teich, Terrasse, Apfelbaum…)
  • Schritt 2: Reihenfolge festlegen
    Terrasse, Teich, Gartenhäuschen, Apfelbaum…
  • Schritt 3: Informationen verknüpfen
    Terrasse – Auslöser für Zeitform „simple past“, Teich – Auslöser für Zeitform „past progressive“, Gartenhäuschen – Auslöser für Zeitform „simple past perfect“, Apfelbaum – Auslöser für Zeitform „past perfect progressive“…
  • Schritt 4: Geistiger Spaziergang entlang der Routenpunkte

 

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Fazit

Die Loci-Methode ist eine einfache und erfolgsversprechende Lerntechnik für alle, die sich viele Fakten und Informationen merken müssen. Sie vereint verschiedene Sinne beim Lernen und nutzt die assoziative Natur unserer Gehirnfähigkeiten. Daher fallen die Ergebnisse der Loci-Methode im Vergleich zu anderen Merkhilfen deutlich positiver aus.

Das Potenzial dieser Technik ist nahezu grenzenlos. Mit einer klugen Routenstrategie und regelmäßiger Übung (Spaziergänge durch die einzelnen Routenpunkte) lassen sich Informationen mit wenig Aufwand über Wochen, Monate oder Jahre im Gedächtnis abspeichern. Schon nach kurzer Zeit wirst du mit der Loci-Methode locker über 100 Wegpunkte problemlos abrufen können (Gedächtnisprofis schaffen sogar um die 10.000).

Mein Vorschlag: Probiere die Loci-Methode heute noch aus! Suche dir einen Ort, bestimme ein paar Wegpunkte, sortiere sie und lege Informationen an diesen Stellen ab. Schon nach zwei bis drei Wiederholungen wirst du feststellen, wie leicht es deinem Gedächtnis fällt die Verknüpfungen zu behalten. Selbst morgen oder übermorgen wirst du die Route noch halbwegs fehlerfrei durchgehen können.

Und jetzt stell dir vor, was passieren wird, wenn du ganze Vorlesungsreihen in Routen transformierst. Vielleicht hast dann auch du die nächste 1,0 deiner Küche zu verdanken.

 

Bild: © Eric Ward / unsplash.com
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Autor

Tim Reichel

Tim ist Bestseller-Autor und der Gründer von Studienscheiss. Seit über sechs Jahren hilft er Studenten und löst Probleme im Studium. Außerdem arbeitet er als selbstständiger Coach und als Fachstudienberater an einer großen deutschen Eliteuniversität.

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