Warum ein schlechtes Semester gut für dich ist (und wie du daraus lernen kannst)

Warum ein schlechtes Semester gut für dich ist

von Tim Reichel

Mein zweites Semester in einem Satz zusammengefasst: Es lief nicht nach Plan.

So ganz und gar nicht. Richtig schlecht lief es – und rückblickend betrachtet, war das das Beste, was mir passieren konnte. Denn dieser Tiefpunkt hat mich radikal verändert und mich zu einem besseren Studenten gemacht.

Ich habe damals gelernt, worauf es beim Studieren wirklich ankommt – auf die harte Tour. Aber manchmal ist dies die einzige Art und Weise, die bei uns ankommt. Und ich habe gelernt, dass ein schlechtes Semester, das auf den ersten Blick nur Horrorergebnisse liefert, unterm Strich gut und wertvoll sein kann.

In diesem Artikel erzähle ich dir, was ich aus dem schlechtesten Semester meiner Unilaufbahn mitgenommen habe und zeige dir, wie auch du aus einer solchen Krise Kraft ziehen und gestärkt zurückkommen kannst.

 

DOEDL-Methode gratis lesen!

DOEDL-Methode: Mit diesem Buch verbesserst du schnell und einfach dein Selbstmanagement im Studium und lernst, wie du zielorientiert und entspannt studieren kannst – ohne dich selbst auszubeuten.

Mit der DOEDL-Methode wirst du zum perfekten Selbstmanager und startest im Studium richtig durch. Und das Beste ist: Die ersten 42 Seiten bekommst du geschenkt! Trage dich dazu einfach in die E-Mail-Liste ein:

Garantiert kein Spam. Du wirst Teil meines Newsletters und erhältst eine Leseprobe, nützliche Tipps für dein Studium sowie passende Buchempfehlungen. Abmeldung jederzeit möglich.

 

Mitten in der Krise

Insgesamt war mein Studium erfolgreich: tolle Inhalte, fantastische Menschen kennengelernt, mit Auszeichnung bestanden, Regelstudienzeit, Promotionsangebot. Alles top. Nur zu Beginn sah es überhaupt nicht danach aus.

Mein zweites Semester war ein komplettes Desaster: falsche Fächer gewählt, nur die Hälfte der Prüfungen bestanden und die Restlichen mit schlechten Noten abgeschlossen. Nach einem soliden Start zog mir dieses Semester die Beine weg. Ich war komplett demotiviert und am Boden zerstört.

Ich fühlte mich richtig mies und konnte mir nicht erklären, warum es auf einmal nicht mehr lief. Im Vergleich zum ersten Semester hatte ich kaum etwas geändert und trotzdem war jetzt alles anders.

 

Was war passiert

Nach einem ruhigen und guten Start ins Studium war ich mir sicher: „Ich weiß jetzt, wie man studiert – alles nicht so wild.“

Einen Scheiß wusste ich.

Ich hatte zwar trotz hoher Durchfallquoten das erste Semester fehlerfrei über die Bühne gebracht und jede Prüfung bestanden, aber all das war nur möglich, weil ich hart dafür gearbeitet hatte. Ich hatte den festen Wunsch, erfolgreich zu sein und habe alles dafür getan: Ich habe mein Semester komplett durchgeplant und haargenau organisiert; ich habe jede Unterstützung von Kommilitonen, Lernpartnern, Dozenten und Lehrstühlen in Anspruch genommen, die es gab; und ich hatte das tiefe Bedürfnis, mich jeden Tag zu verbessern.

Doch nach diesem ersten Teilerfolg ruhte ich mich auf meinen Ergebnissen aus. Nach der Anspannung durch die erste große Prüfungsphase fiel meine Motivation deutlich ab und ich ging mein Studium im zweiten Semester lockerer an.

Ich war nicht arrogant oder handelte fahrlässig, aber ohne Zweifel war ich nicht mehr mit der gleichen Professionalität bei der Sache, die zuvor die Grundlage für meinen Erfolg war: Ich plante mein Semester nicht mehr im Detail durch; ich ließ hier und dort eine Lerneinheit aus; ich versuchte Vieles auf eigene Faust, anstatt mir Hilfe zu holen; ich tauschte mich weniger mit Kommilitonen oder Mentoren aus; und ich machte es mir zur Gewohnheit, nur noch das Nötigste zu tun.

Und das alles wurde mir zum Verhängnis.

 

Das Ruder herumreißen

Noch bevor das letzte Prüfungsergebnis bekanntgegeben wurde, war mir klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich musste etwas ändern und mein Studium zurück auf die Erfolgsspur bringen.

Mir wurde klar, dass studieren auf Sparflamme nicht funktioniert, wenn man gleichzeitig hohe Ansprüche an sich selbst hat und das Beste aus seinem Studium herausholen möchte. Es gibt keine Abkürzung, keinen einfacheren Weg für gute Resultate – es gibt nur eine Möglichkeit: ehrliche, kluge und harte Arbeit.

Wer meint, schon alles zu können und aufhört an sich zu arbeiten, wird sich nicht nur nicht verbessern, er wird sich verschlechtern. Er wird abrutschen, hinter den eigenen Erwartungen zurückbleiben und unglücklich werden.

Nachdem ich das verstanden hatte, gelang es mir, mich wieder aufs Wesentliche zu konzentrieren und voll im Studium durchzustarten. Ich legte meine Entwicklung wieder in den Mittelpunkt und arbeitete hart daran, mich immer weiter zu verbessern. Natürlich nicht ohne zwischendurch das Studentenleben zu genießen, aber ich ruhte mich nie wieder auf kurzzeitigen Erfolgen aus. Ich blieb immer professionell bei der Sache und ging immer einen Extraschritt mehr, anstatt mich mit dem Erreichten zufriedenzugeben.

Und das nur, weil ich dieses eine Semester komplett in den Sand gesetzt hatte.

 

Wie du ein schlechtes Semester aufarbeiten und daraus lernen kannst

Diesen kurzen Abstecher in meine persönliche Geschichte erzähle ich dir nicht, um anzugeben. Ich möchte dir zeigen, dass ein Semester, das zunächst gar nicht gut für dich aussieht, der Beginn deiner eigenen Erfolgsgeschichte sein kann.

Wenn es dir gelingt, aus deinen Fehlschlägen zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen, wirst du einen riesigen Entwicklungssprung machen und von dieser kurzzeitigen Krise stark profitieren.

Dazu musst du dein vergangenes Semester zuerst aufarbeiten und ehrlich analysieren. Führe dazu eine nüchterne Bestandaufnahme durch und sieh dir deine Resultate an. Sei dabei objektiv und so emotionslos wie möglich. Schreibe einfach alle Prüfungsergebnisse und zusätzliche Meilensteine auf ein Blatt und sieh dir deine „Kennzahlen“ an.

Sobald du das erledigt hast, kannst du so vorgehen:

 

#1 Eigene Erwartungen überprüfen

  • Mit welchen Erwartungen bist du in das Semester gestartet?
  • Wie hast du dir den Verlauf vorgestellt?
  • Welche konkreten Ziele hattest du für das vergangene Semester?
  • Welche Erwartungen hattest du an dich selbst?
  • Waren diese Erwartungen realistisch?

 

#2 Fehler analysieren

  • Mit welchen Ergebnissen bist du nicht zufrieden und warum?
  • Wie kam es dazu?
  • Welche groben Fehler sind während deines Semesters aufgetreten?
  • Welche kleinen Fehler haben deinen Erfolg beeinflusst?
  • Was würdest du heute anders machen?

 

#3 Verantwortung übernehmen

  • Warum bist du für den Ausgang deines letzten Semesters verantwortlich?
  • Woran musst du konkret arbeiten, um besser zu werden?
  • Möchtest du für dein Studium verantwortlich sein oder anderen die Macht über dich und deinen Erfolg überlassen?
  • Falls andere Menschen oder äußere Einflüsse eine negative Wirkung auf dich hatten: Wie kannst du das in Zukunft vermeiden?
  • Vergleiche dich mit Kommilitonen, die immer anderen die Schuld geben – möchtest du so jemand sein?

 

#4 Sich selbst verzeihen

  • Welche positiven Dinge kannst du aus deinem letzten Semester mitnehmen?
  • Warum waren deine Entscheidungen im letzten Semester zum damaligen Zeitpunkt nachvollziehbar?
  • Warum würdest du heute anders entscheiden und was bringt dir diese Erkenntnis für die Zukunft?
  • Hilft es dir mehr, wenn du dir Vorwürfe machst oder positiv mit deiner Vergangenheit umgehst?
  • Warum wird dein nächstes Semester besser?

 

#5 Gegenmaßnahmen entwickeln

  • Mit welchen Erwartungen solltest du ins nächste Semester starten?
  • Was ist dein übergeordnetes Ziel im nächsten Semester?
  • Was kannst du jeden Tag tun, um dieses Ziel zu erreichen?
  • Wie kannst du deine größten Fehler aus dem letzten Semester vermeiden?
  • Wer kann dir dabei helfen?

Arbeite diesen Fünf-Schritte-Plan im Detail durch und beantworte jede Frage schriftlich. Nimm dir Zeit und sei dabei schonungslos ehrlich zu dir selbst. Die Mühe wird sich lohnen, denn die Ergebnisse dieser Analyse werden dir die Augen öffnen und dich unglaublich stark machen. Wenn du zu diesen Fragen konkrete Antworten liefern kannst und diese Auswertung ernst nimmst, wird der Erfolg in deinen kommenden Semestern zwangsläufig zurückkehren.

 

DOEDL-Methode gratis lesen!

DOEDL-Methode: Mit diesem Buch verbesserst du schnell und einfach dein Selbstmanagement im Studium und lernst, wie du zielorientiert und entspannt studieren kannst – ohne dich selbst auszubeuten.

Mit der DOEDL-Methode wirst du zum perfekten Selbstmanager und startest im Studium richtig durch. Und das Beste ist: Die ersten 42 Seiten bekommst du geschenkt! Trage dich dazu einfach in die E-Mail-Liste ein:

Garantiert kein Spam. Du wirst Teil meines Newsletters und erhältst eine Leseprobe, nützliche Tipps für dein Studium sowie passende Buchempfehlungen. Abmeldung jederzeit möglich.

 

Fazit

Ein scheinbar schlechtes Semester kann für dich der Beginn einer neuen Ära sein – wenn du die richtigen Schlüsse daraus ziehst und bereit bist, hart und ehrlich an dir zu arbeiten. Wenn du die Verantwortung für schlechte Ergebnisse beim Studieren übernimmst und aufhörst, die Schuld bei anderen zu suchen, entwickelst du dich zu einer starken Persönlichkeit und kannst deine Leistungsfähigkeit stark verbessern.

Beim Studieren geht es nicht darum, alles auf Anhieb zu können. Es geht darum, eigenständig zu lernen und konstruktiv mit Fehlern und neuen Herausforderungen umzugehen. Je eher du das verstehst und in die Tat umsetzt, desto früher wird aus dir ein guter Student, der nicht nur erfolgreich, sondern auch glücklich und zufrieden seine Runden über den Campus dreht.

Vergiss nicht: Langfristige Entwicklung ist besser als kurzfristiger Erfolg. Check die Fragen von oben und nimm dein letztes Semester auseinander. Je „schlechter“ es war, desto größer ist deine Chance, ab heute richtig durchzustarten.

 

Bild: © Caleb George / unsplash.com
Jetzt teilen!
Autor

Tim Reichel

Tim ist Bestseller-Autor und der Gründer von Studienscheiss. Seit über sechs Jahren hilft er Studenten und löst Probleme im Studium. Außerdem arbeitet er als selbstständiger Coach und als Fachstudienberater an einer großen deutschen Eliteuniversität.

Kommentare
Click Here to Leave a Comment Below

Hinterlasse einen Kommentar: