Warum du nach jeder Prüfung ein Gedächtnisprotokoll schreiben solltest

Warum du nach jeder Prüfung ein Gedächtnisprotokoll schreiben solltest – und wie du dabei am besten vorgehen kannst

von Tim Reichel

Ein Gedächtnisprotokoll ist mehr als eine Erinnerungshilfe. Wenn du nach jeder Prüfung konsequent ein Protokoll anfertigst, deine Leistung reflektierst und daraus lernst, werden sich deine Ergebnisse im Studium deutlich verbessern. Doch du bekommst nicht nur gute Noten und wirst zu einem ausgezeichenten Studenten - du eignest dir zudem eine Fähigkeit an, die in der späteren Berufswelt den Unterschied zwischen Spitze und Mittelmaß machen kann.

Endlich geschafft. Mit gemischten Gefühlen verlässt du den Hörsaal. Du bist zwar erleichtert, dass deine Prüfung vorbei ist, doch so richtig kannst du deine eigene Leistung noch nicht einschätzen. Hast du Aufgabe 1 richtig verstanden? Konntest du in Frage 2c wirklich das zu Papier bringen, was deine Professorin lesen will? Und reichen deine Erläuterungen zur letzten Teilaufgabe aus, um alle Punkte zu bekommen?

Fragen über Fragen.

Doch die Reaktion der meisten Studenten nach einer Prüfung ist dieselbe: Sie tun gar nichts. Sie fangen unmittelbar nach dem Prüfungstermin damit an, die Inhalte, Abläufe und Ereignisse zu vergessen. Und dieses Vergessen geht schnell: Schon nach wenigen Stunden sind wichtige Details aus deiner Prüfung für immer aus deinem Gedächtnis verschwunden. Nach ein paar Tagen weißt du nur noch grob, wie deine Prüfung abgelaufen ist; und kurz darauf sind deine Erinnerungen fast vollständig verblasst.

Grundsätzlich ist dieser Verdrängungsmechanismus sinnvoll. Auf diese Weise sparst du Energie und schonst deine mentalen Ressourcen für die nächsten Prüfungen. Du machst Platz in deinem Kopf für neues, wichtiges Wissen. Doch leider bleiben dabei alte, wichtige Informationen auf der Strecke. Und damit schadest du dir selbst.

Zum Glück gibt es dafür eine einfache und geniale Lösung: das Gedächtnisprotokoll.

 

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Was ist ein Gedächtnisprotokoll?

In einem Gedächtnisprotokoll oder Gedankenprotokoll fasst du deine Erinnerungen und Eindrücke nach einer Prüfung zusammen. Du protokollierst alle relevanten Informationen aus deinem Gedächtnis, um später noch einmal darauf zugreifen zu können. Dadurch entlastest du dein Gehirn für zukünftige Aufgaben und stellst gleichzeitig sicher, dass nichts Wichtiges verloren geht.

In einem typischen Gedächtnisprotokoll stehen die wichtigsten Eckdaten der Prüfung (Zeit, Ort, Gegenstand) und persönliche Eindrücke, die den Inhalt wiedergeben. Dabei fertigst du zunächst Notizen an und fasst deine wichtigsten Beobachtungen dann schriftlich zusammen. Dazu zählt unter anderem:

  • Wie war die Prüfung aufgebaut?
  • Wie viele Aufgaben bzw. Teilaufgaben gab es?
  • Welche Aufgaben wurden gestellt?
  • Wie waren die Fragen genau formuliert?
  • Was habe ich geantwortet?
  • Welche Themen aus der Vorlesung wurden behandelt (und welche nicht)?
  • Was hat gut funktioniert?
  • Wobei hatte ich Schwierigkeiten?
  • Wie schätzen meine Kommilitonen die Prüfung ein?
  • Wie lief die Prüfung ab?
  • Welche besonderen Vorkommnisse gab es?

Je weniger Zeit zwischen Prüfung und Protokoll liegt, desto besser ist die Qualität der festgehaltenen Informationen. Es empfiehlt sich daher, ein Gedächtnisprotokoll direkt im Anschluss an eine Prüfung anzufertigen. Warum sich das in jedem Fall für dich auszahlen wird, sehen wir uns jetzt an.

 

7 Gründe, warum du nach jeder Prüfung ein Gedächtnisprotokoll schreiben solltest

Ein Gedächtnisprotokoll hört sich im ersten Augenblick aufwändig – und je nach Prüfungsverlauf – überflüssig an. Beides ist falsch. Das systematische Aufschreiben deiner Gedanken und Eindrücke nach einer Prüfung dauert nicht länger als 15 Minuten und bringt erhebliche Vorteile mit sich. Das sind die wichtigsten:

 

1. Du wirst besser

Indem du den Verlauf deiner Prüfung – und damit deine eigene Leistung – protokollierst, analysierst du deine Arbeitsweise. Du wirst zu deinem eigenen Kontrolleur und kannst wertvolle Schlüsse für deine kommenden Prüfungsvorbereitungen ziehen. Wenn du dabei reflektiert und selbstkritisch vorgehst, kannst du persönliche Schwachstellen ausmachen und gezielt an diesen arbeiten. Und das, bevor du die Note für deine Prüfung erhältst.

 

2. Du entwickelst neue Denkmuster

Sobald du deine Prüfung nach einem festgelegten Schema Revue passieren lässt (siehe die Fragen oben) wird dein Gehirn automatisch damit beginnen, diese Struktur auch auf ZUKÜNFTIGE Ereignisse anzuwenden. Das heißt: Du entwickelst Denkmuster, die dir dabei helfen werden, ähnliche Prüfungssituationen schneller anzunehmen oder gar neue Prüfungen vorherzusagen. Natürlich wird das inhaltlich nie vollständig aufgehen, aber dein Gespür für Prüfungsstrukturen wird von Zeit zu Zeit immer besser. Und damit auch deine Ergebnisse.

 

3. Du kannst abschließen

Viele Studenten schleppen negative oder belastende Erfahrungen aus einer Prüfung noch lange mit sich herum. Diese mentalen Blockaden sind alles – nur nicht hilfreich. Insbesondere dann nicht, wenn du dich mitten in deiner Prüfungsphase befindest und keine Zeit für lange Grübelattacken hast. Ein Gedächtnisprotokoll hilft dir dabei, mit deiner Prüfung abzuschließen. Indem du die Geschehnisse aufschreibst, verarbeitest du sie und verbannst sie aus deinem Geist. Das Protokollieren reinigt sozusagen deine Gedanken und zieht einen Schlussstrich unter die Prüfung.

 

4. Du gehst auf Nummer sicher

Die meisten Prüfungen laufen störungsfrei ab, doch hin und wieder gibt es Prüfungssituationen, die sich an der Grenze zum Irregulären befinden. Wenn du beispielsweise zu wenig Bearbeitungszeit erhältst, der Hörsaal überfüllt ist oder andere äußere Umstände die Prüfungsbedingungen erschweren, können Prüfungen wiederholt werden.

In diesem Artikel habe ich das ausführlich beschrieben.

Mithilfe eines Gedächtnisprotokolls kannst du solche oder ähnliche Umstände schriftlich festhalten und dich damit für spätere Anträge an deinen Prüfungsausschuss oder gar Gerichtsverfahren wappnen. Gewöhne dir an, alle Unstimmigkeiten im Prüfungsablauf aufzuzeichnen. So gehst du im Streitfall auf Nummer sicher.

 

5. Du sorgst für den Ernstfall vor

Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber in jeder Prüfung kann es passieren, dass du (überraschend) durchfällst. Eine nicht-bestandene Prüfung ist zwar kein Beinbruch, doch du kommst schneller über den kleinen Rückschlag hinweg, wenn du auf ein Gedächtnisprotoll zurückgreifen kannst. Erstens wirst du auf diese Weise schnell feststellen, wo deine größten Schwierigkeiten lagen und zweitens gelingt es dir, eine bessere Prüfungsvorbereitung für den nächsten Versuch auf die Beine zu stellen.

 

6. Du hilfst anderen

Dein Gedächtnisprotokoll muss nicht ausschließlich für dich allein bestimmt sein. Viele Studenten fertigen nach einer Prüfung Notizen an und stellen ihren Kommilitonen diese Aufzeichnungen zur Verfügung. Besonders in Online-Foren und Social-Media-Gruppen werden Gedächtnisprotokolle zu den unterschiedlichsten Prüfungen ausgetauscht. Wenn du anderen Studenten eine Freude machen möchtest, kannst du dieses Netzwerk der Hilfsbereiten verstärken und zusätzliche Reallife-Karma-Punkte erwerben.

 

7. Du entwickelst eine kluge Gewohnheit

Gedächtnisprotokolle zahlen sich nicht nur bei Prüfungen aus. Auch in anderen Lebensbereichen und insbesondere im Hinblick auf deine spätere Karriere kann das systematische Protokollieren einen großen Vorteil für dich darstellen. Du kultivierst dadurch nicht nur ein „externen Gedächtnis“, sondern erarbeitest dir auch einen zuverlässigen und professionellen Ruf. Je eher du diese Gewohnheiten entwickelst, desto größer ist dein persönlicher Nutzen.

 

Wie du schnell und einfach ein Gedächtnisprotokoll schreiben kannst

Nachdem die Vorteile eines Gedächtnisprotokolls klar sind, sehen wir uns jetzt an, wie du beim Protokollieren am geschicktesten vorgehen kannst. Feste Vorgaben zur Form und Struktur gibt es zwar nicht – dennoch solltest du einige Schritte beachten, damit deine Aufzeichnungen die bestmöglichste Wirkung erzielen.

 

Schritt 1: Protokolliere schriftlich!

Ein Gedächtnisprotokoll ist nur dann aussagekräftig und präzise, wenn du deine Gedanken systematisch aufschreibst. Tonaufnahmen oder Einzelnotizen auf dem Smartphone sind nette Erinnerungshilfen – als verlässliches Protokoll eigenen sie sich jedoch nicht. Beginne jedes Protokoll auf einem neuen Blatt Papier oder lege ein eigenes Dokument in deinem Textverarbeitungsprogramm (z.B. Microsoft Word) dafür an.

 

Schritt 2: Erstelle dein Protokoll sofort!

Wie oben beschrieben, solltest du dein Gedächtnisprotokoll zeitnah nach deiner Prüfung erstellen. Mit jeder Stunde oder jedem Tag, den du verstreichen lässt, steigt das Risiko, dass dir wichtige Punkte und Details entfallen. Am besten reservierst du dir direkt nach deiner Prüfung ein paar Minuten, um die Ereignisse niederzuschreiben.

 

Schritt 3: Gib eine individuelle Struktur vor!

Achte darauf, dass dein Protokoll einer bestimmten Struktur folgt. Diese kann durchaus individuell sein und deinen persönlichen Bedürfnissen folgen, doch die Festlegung gewisser Eckpunkte schärft deinen Fokus und macht das Schreiben einfacher. Die Zielfragen von oben (Wie war die Prüfung aufgebaut? und so weiter…) reichen zum Beispiel schon aus, um eine erste Systematik vorzugeben.

 

Schritt 4: Sammle ALLE Informationen, Gedanken und Eindrücke!

Sobald du dich an die eigentliche Schreibarbeit machst, darfst du nicht zu geordnet vorgehen (das kommt später). Zuerst geht es darum, alle Gedanken zu deiner Prüfung, die dir durch den Kopf gehen, einzufangen und aufzuschreiben. Notiere dazu sämtliche Erinnerungen und Gedanken in Stichworten, die dir zur Prüfung einfallen, ohne eine bestimmte Reihenfolge zu beachten. Allein durch das Niederschreiben wird das Gedächtnis aktiviert und mit der Zeit wirst du dich an weitere Details erinnern.

 

Schritt 5: Ordne deine Notizen!

Nachdem dein Brainstorming abgeschlossen ist, sortierst du die Stichpunkte und versuchst, deine zuvor festgelegten Zielfragen präzise zu beantworten. Pass deine Struktur im Zweifel an, indem du weitere Fragen formulierst oder unnötige Unterpunkte weglässt. Je genauer du dabei vorgehst, desto größer ist der Nutzen deiner Zusammenfassung. Achte zudem darauf, dass du die Beschreibung von besonderen Ereignissen chronologisch ordnest, damit du den exakten Verlauf später nachvollziehen kannst.

 

Schritt 6: Sei ausführlich, bleibe sachlich!

Die thematisch und chronologisch sortierten Stichpunkte kannst du nun ausformulieren und in ganze Sätze umwandeln. Dieser Schritt ist unnötig, wenn deine Stichpunkte aussagekräftig und detailliert genug sind – achte an dieser Stelle auf ein gutes Zeit-Nutzen-Verhältnis. Außerdem solltest du in diesem Schritt unsachliche und stark subjektive Beschreibungen überarbeiten. Beleidigungen oder Beschuldigungen haben in deinem Protokoll nichts verloren.

 

Schritt 7: Überprüfe dein Ergebnis!

In einem letzten Schritt solltest du die finale Version deines Protokolls ein letztes Mal kontrollieren. Hast du deine Struktur eingehalten? Sind alle wichtigen Informationen vorhanden? Konntest du alle Zielfragen beantworten? Ist dein Protokoll detailliert und präzise genug? Wenn deine Aufzeichnungen allen Qualitätsansprüchen genügen, kannst du es mit ruhigem Gewissen ablegen (oder weitergeben). Dabei bietet es sich an, alle Protokolle an der gleichen Stelle aufzubewahren, damit du bei Bedarf nicht erst danach suchen musst.

 

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Fazit

Ein Gedächtnisprotokoll ist mehr als eine Erinnerungshilfe. Wenn du nach jeder Prüfung konsequent ein Protokoll anfertigst, deine Leistung reflektierst und daraus lernst, werden sich deine Ergebnisse im Studium deutlich verbessern.

Doch du bekommst nicht nur gute Noten und wirst zu einem ausgezeichenten Studenten – du eignest dir zudem eine Fähigkeit an, die in der späteren Berufswelt den Unterschied zwischen Spitze und Mittelmaß machen kann.

Und das alles mit 15 Minuten Arbeit.

Kein schlechter Deal, oder?

 

Bild: © Bethany Legg / unsplash.com
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Autor

Tim Reichel

Tim ist Bestseller-Autor und der Gründer von Studienscheiss. Seit über sechs Jahren hilft er Studenten und löst Probleme im Studium. Außerdem arbeitet er als selbstständiger Coach und als Fachstudienberater an einer großen deutschen Eliteuniversität.

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