5 gute Gründe, warum du deine Vorlesung schwänzen solltest

5 gute Gründe, warum du deine Vorlesung schwänzen solltest

von Tim Reichel

Viele Vorlesungen sind gut und wichtig. Doch einige Vorlesungen sind sinnlos und bringen dir nichts. Deshalb darfst du sie ruhigen Gewissens schwänzen.

Heute verstoße ich gegen eine goldene Uniregel. Ich missachte ein unausgesprochenes Gesetz; ich breche mit einem Kodex unter Hochschulangestellten, denn ich rate dir dazu, deine Vorlesung zu schwänzen.

Warum? Weil viele Vorlesungen schlecht, demotivierend und damit schlichtweg unnötig sind.

Nicht alle – aber viele.

Als Fachstudienberater an einer großen deutschen Hochschule bin ich normalerweise dazu angehalten, für den regelmäßigen Besuch im Hörsaal zu werben. Schließlich sei die Vorlesung die Basis einer soliden akademischen Ausbildung und vermittle den Studenten wichtige Inhalte. Doch leider stimmt das nicht.

Es ist vielmehr so, dass viele Univeranstaltungen derart schlecht organisiert und praktiziert werden, dass die Studenten auf den Rängen, von einer persönlichen Entwicklung abgehalten werden. Und jede einzelne Vorlesung, die dich nicht besser macht, raubt dir das wertvollste Gut, das du während deines Studentenlebens besitzt: Zeit. Jede Vorlesung, die dich deinen Zielen nicht näherbringt oder sogar deine Leidenschaft für ein Studienfach abschwächt, ist überflüssig.

Mehr noch: Als mitdenkender und selbstständiger Student ist es deine Pflicht, solch eine Vorlesung zu meiden.

Doch diesen Aufruf darfst du nicht als Freifahrtschein zum Nichtstun verstehen. Es ist deine Aufgabe, herauszufinden, welche Vorlesungen gut für dich sind und mit welchen du deine Zeit verschwendest. Du musst unterscheiden – doch diese Differenzierung ist schwierig und führt schnell dazu, dass du dir selbst etwas in die Tasche lügst. Entweder schwänzt du dann übermäßig oft (und zu Unrecht) deine Vorlesungen oder du schleppst dich aus falsch verstandenem Pflichtbewusstsein in den Hörsaal.

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5 Gründe, deine Vorlesung zu schwänzen

Nochmal, damit wir uns nicht falsch verstehen: Viele Vorlesungen sind gut und wichtig. Die meisten Dozenten geben sich Mühe und wollen ihren Stoff vernünftig präsentieren. Doch es gibt Situationen, in denen ihnen das entweder nicht gelingt oder sich einfach keine Verbindung zum Publikum (zu dir) aufbauen lässt. In diesen Fällen verwandeln sich produktiv erdachte Wissensveranstaltungen zu einschläfernden Energieräubern.

Diese Vorlesungen bringen dir nichts; sie lähmen und blockieren dich. Deshalb darfst du sie ruhigen Gewissens meiden.

Hier sind fünf Gründe, die diese Entscheidung rechtfertigen:

 

#1 Die Vorlesung bietet keinen Mehrwert

Viele Vorlesungen sind ganz nett: Der Dozent ist in Ordnung, die Inhalte wirken gut aufbereitet und der Hörsaal sieht bequem aus. Du kannst den Vorträgen einigermaßen folgen und bist im Anschluss zufrieden, weil du etwas für dein Studium getan hast. Doch stimmt das wirklich? Hat dir der Besuch deiner Veranstaltung mehr gebracht, als du dir selbst in dieser Zeit hättest erarbeiten können?

Die meisten Studenten watscheln zur Vorlesung und lassen sich berieseln. Die Dozenten wissen das und bereiten deshalb den Inhalt aus ihren Skripten und Büchern hirngerecht auf, damit sie ihn schnell und einfach von einer PowerPoint-Folie ablesen können. Nüchtern betrachtet, ist diese Arbeit überflüssig, denn deine Vorlesung bietet dir dann keinen Mehrwert. Dein Dozent macht Dienst nach Vorschrift und liefert dir keine einzige Information zusätzlich, die du dir nicht selbst anlesen oder ergoogeln könntest.

Achte deshalb darauf, ob die Lehre aus deinen Universtaltungen ergiebig und nachhaltig ist. Werden bisher unbekannte Hintergrundinformationen oder Zusatzbemerkungen gegeben, die so nicht im Lehrbuch stehen? Gibt es neue Beispiele oder weitere Erklärungen, auf die du selbst nicht kommen würdest? Stellt der Dozent praktische Anwendungen oder persönliche Erfahrungsberichte vor, die dir das Lernen erleichtern könnten? Wenn ja: Bleib sitzen; wenn nein: Schwänze diese Vorlesung!

 

#2 Der Dozent tötet deine Motivation

Es gibt Menschen, denen kann man einfach nicht zuhören. Bei mir war es Professor M in Rechnungswesen, dessen bloße Anwesenheit mich fast zum Einschlafen gebracht hat. Ein Satz reichte, um mich dazu zu bringen, meine ganze Studienentscheidung (ich habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert) in Frage zu stellen. Jede Vorlesung war ein Krampf und ich blieb häufiger zu Hause, als ich eher ging, als ich bis zum Vorlesungsende im Hörsaal blieb.

Im Gespräch – und Gott sei Dank auch in Klausur – war Professor M völlig freundlich und angenehm. In der Vorlesung war er jedoch ein Mörder. Mit wenigen Worten hat er meine gesamte Motivation zur Strecke gebracht – und ich wette, du hast deinen persönlichen Professor M auch schon kennengelernt.

Jeder kennt Menschen, deren Gerede ermüdend ist, aggressiv macht oder verzweiflte Gefühlsausbrüche hervorruft. Wann immer es geht: Meide solche Menschen. Wenn dir dein Dozent die Freude an deinem Studium nimmt, bleib seiner Vorlesung fern. Besorge dir Mitschriften von Kommilitonen oder frage bei älteren Studenten nach – aber schütze deine Motivation.

 

#3 Die Vorlesung fordert dich nicht

Es gibt Studenten, die nicht zur Vorlesung gehen, weil sie ihnen zu anspruchsvoll ist. Diese Studenten sind dumm. Nicht weil sie geistig nicht auf der Höhe sind oder weil sie den Stoff noch nicht beherrschen – sie sind dumm, weil sie der Herausforderung feige aus dem Weg gehen und damit ihr persönliches Wachstum verhindern. Die verweigern die Arbeit und wollen nicht lernen. Dabei haben sie sich genau aus diesem Grund an der Uni eingeschrieben.

Eine Vorlesung muss dich fordern. Sie darf kein sanftes Hintergrundrauschen für dich sein, dass du mal eben nebenbei mitnimmst. Eine Vorlesung muss dich besser machen – und das geschieht nur, wenn sie dich geschickt aus deiner Komfortzone herauszieht und einen Lernprozess in Gang setzt. Passiert so etwas nicht, ist deine Vorlesung nutzlos.

Sorgt dein Dozent nicht dafür, dass du mitdenkst und neue Verknüpfungen in deinem Gehirn ausbildest, macht er einen schlechten Job. Und darin darfst du ihn nicht bestärken, indem du ihn mit müden Augen ansiehst. Spar dir die Zeit. Schlaf lieber eine Stunde länger und arbeite für 30 Minuten eigenständig an einer bisher unbekannten Übungsaufgabe oder löse ein Problem aus einer alten Prüfung. Das bringt dir mehr.

 

#4 Die Alternative zur Vorlesung ist wertvoller

„Aber wenn ich nicht zur Vorlesung gehe, tue ich ja gar nichts für mein Studium.“ Höre ich häufig, wenn ich dazu rate, dem Hörsaal fern zu bleiben. Nun, es ist richtig: Wenn du nicht zur Vorlesung gehst, verpasst du eine oder manchmal auch die einzige Veranstaltung zu einem Fach. Doch der Vorlesungsbesuch ist nicht alternativlos.

Eigentlich gibt es immer Alternativen, die mit deiner Vorlesung konkurrieren und gleichzeitig sinnvoll für dich und dein Studium sein können – du siehst sie bloß nicht. Beispiel gefällig: Triff dich mit deinen Kommilitonen zum Lernen und arbeitet konzentriert für 30, 60 oder 90 Minuten die Themen der substituierten Vorlesung nach. Erklärt euch gegenseitig die Inhalte oder diskutiert die selbst erarbeiteten Ergebnisse. Anderes Beispiel: Nimm Nachhilfe bei einem älteren Studenten oder einem Tutor, der sich mit den Inhalten hervorragend auskennt oder das besagte Modul bereits bestanden hat. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass er dir die Inhalte eher auf Augenhöhe erklären kann als dein Dozent.

Oder: Arbeite die Inhalte der Vorlesung alleine nach und nutze dabei sämtliche Hilfsmittel, die du finden kannst (Skripte, Musterlösungen, Zusammenfassungen, Erklärvideos und so weiter). Aber Achtung: Betrüge dich nicht selbst und erfinde scheinbar adäquate Alternativen zu deiner Vorlesung! Nur, weil du keine Lust hast, darfst du deine Vorlesung nicht schlecht – und deine Alternativen nicht gut – reden. Wäge klug ab, welche Aktion für dich am meisten Sinn macht, aber bleibe dabei realistisch.

 

#5 Die Vorlesung ist sinnvoll, aber bietet keine exklusiven Informationen

Es gibt Vorlesungen, bei denen passt alles: Der Schwierigkeitsgrad ist angemessen, die Inhalte interessieren dich, der Dozent inspiriert dich und der Mehrwert der Veranstaltung ist bedingungslos gegeben. Trotzdem kann es sinnvoll sein, diese Vorlesungen NICHT zu besuchen. Warum? Weil die Informationen – und darum geht es hauptsächlich bei deinen Vorlesungen – auch auf anderem Wege beschafft werden können.

In meinem ersten Semester an der RWTH Aachen musste ich das Modul „Einführung in die anorganische Chemie“ belegen. Von Chemie hatte ich damals keine Ahnung, doch der Dozent war großartig. Professor D war witzig, entschlossen und führte in jeder Veranstaltung mindestens ein Experiment vor, um die Lehre aufzupeppen. Es gelang ihm auch. Der Hörsaal war jede Woche voll; 1.200 Studenten hingen an seinen Lippen – und das Montagmorgens. Trotzdem blieb ich ab der dritten Woche zu Hause.

Warum? Weil die Vorlesung aufgezeichnet wurde. Dem Modul waren 1.500 Studenten zugeordnet. So viele passten nicht in den größten Hörsaal, den die Uni zu bieten hatte. Deshalb gab es die Vorlesung noch am selben Tag als Videodownload oder man konnte zu Hause per Livestream (in furchtbarer Qualität) in Echtzeit zuschauen. Zusätzlich gab es ein ausführliches Skript mit allen Informationen und Beispielen von Professor D.

Die Vorlesung war toll und sinnvoll – aber sie bot keine exklusiven Inhalte. Wir bekamen alle relevanten Informationen im Anschluss auf dem Silbertablett präsentiert und konnten uns deshalb den Besuch sparen. Versichere dich deshalb bei jeder Univeranstaltung, dass du wirklich exklusiven Mehrwert bekommst, wenn du deine Zeit investierst. Wenn dir Lehrstuhl, Kommilitonen oder andere zuverlässige Quellen die gleichen Informationen zur Verfügung stellen können, ist es legitim die Vorlesung ausfallen zu lassen.

 

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Fazit

Viele Studenten schwänzen ihre Vorlesung und versauen sich damit ihr Studium. Sie wollen Arbeit vermeiden und lügen sich etwas vor. Doch mindestens genauso viele Studenten zwingen sich fast täglich in den Hörsaal und besuchen ihre Vorlesung nur, um dagewesen zu sein. Sie studieren alibimäßig und schaden sich und ihrem Studium damit ebenso.

Bevor du das nächste Mal unproduktiv und gelangweilt zur Vorlesung gehst, um die komplette Zeit mit den Nachbarn zu reden oder mit deinem Smartphone zu spielen, solltest du deine Zeit lieber anders einsetzen.

Schwänze deine Vorlesung, wenn du merkst, dass dir die Veranstaltung keinen Mehrwert bietet oder der Dozent ein Motivationskiller ist. Bleib zu Hause, wenn dich die Vorlesung nicht fordert oder du eine wertvolle Alternative vorziehen kannst. Tausche deine Zeit nur gegen exklusive Informationen oder einzigartige Inspiration.

Gib dich nicht mit weniger zufrieden. Hör auf deine Zeit in sinnlosen Vorlesungen zu verschwenden und übernimm Verantwortung. Für dich. Für dein Studium. Und für dein Leben.

Außer es gibt Kuchen in der Vorlesung. Dann geh zur Vorlesung. Immer.

 

Bild: © Andre Hunter / unsplash.com
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Autor

Tim Reichel

Tim ist Bestseller-Autor und der Gründer von Studienscheiss. Seit über sechs Jahren hilft er Studenten und löst Probleme im Studium. Außerdem arbeitet er als selbstständiger Coach und als Fachstudienberater an einer großen deutschen Eliteuniversität.

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