Warum es klug sein kann, spät mit dem Lernen anzufangen

Warum es klug sein kann, spät mit dem Lernen anzufangen

von Tim Reichel

Wer spät mit dem Lernen anfängt, schadet sich nicht zwangsläufig selbst. Es gibt einige Vorteile, die ein verspäteter Startzeitpunkt der Prüfungsvorbereitung mit sich bringt. Und diese Vorteile können dazu führen, dass es sogar klug sein kann, NICHT direkt von Semesterbeginn an zu lernen.

Nervös schaust du auf die Uhr. Noch zwei Tage, 13 Stunden und 47 Minuten bis zur Klausur. Viel zu wenig Zeit, aber dir bleibt keine Wahl: Du musst lernen. Sonst packst du die Prüfung nicht und vermasselst das Semester; vielleicht sogar dein ganzes Studium.

Ein paar Monate vorher hattest du noch Besserung gelobt und dir viel vorgenommen. Doch du hast es wieder getan. Du hast wieder zu spät mit dem Lernen angefangen – und jetzt steckst du mitten in einer viel zu kurzen Prüfungsvorbereitung und siehst das Unglück auf dich zukommen.

Viele Studenten beginnen systematisch zu spät mit dem Lernen. Und das jedes Semester aufs Neue. Dieses Vorgehen verursacht zwar enormen Stress und verhindert oft eine nachhaltige Verinnerlichung des Prüfungsstoffes, das Erstaunliche ist aber: Ein großer Teil von diesen Auf-den-letzten-Drücker-Studenten hat damit Erfolg. Sie bestehen ihre Prüfungen in einer bemerkenswerten Regelmäßigkeit und einige Wenige sogar mit guten Noten.

Warum das so ist, zeige ich dir in diesem Artikel.

 

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7 Gründe, warum du spät mit dem Lernen beginnen solltest

Wer spät mit dem Lernen anfängt, schadet sich nicht zwangsläufig selbst. Es gibt einige Vorteile, die ein verspäteter Startzeitpunkt der Prüfungsvorbereitung mit sich bringt. Und diese Vorteile können dazu führen, dass es sogar klug sein kann, NICHT direkt von Semesterbeginn an zu lernen.

Diese sieben Gründe können diese Strategie rechtfertigen:

 

1. Du hast mehr Informationen

Wenn du später im Semester anfängst, den Prüfungsstoff zu wiederholen, weißt du mehr über die anstehende Klausur als zu Vorlesungsbeginn. Das kann daran liegen, dass du bereits mehr über die wichtigsten Themen weißt, dir einen soliden Überblick verschafft hast oder dein Dozent eindeutige Hinweise gegeben hat.

Dieser Zusammenhang ist an sich logisch, doch er wird von vielen Prüflingen unterschätzt. Fakt ist aber: Wenn du mehr Informationen über die bevorstehende Prüfungssituation gesammelt hast, kannst du dich einfacher und effektiver vorbereiten. Du kannst besser einschätzen, worauf dein Prüfer Wert legt und unwichtige Inhalte leichter ausschließen.

 

2. Du kannst aus dem Vollen schöpfen

Die meisten Studenten, die ab der ersten Vorlesungswoche lernen, haben ein schwerwiegendes Problem: Ihnen steht nur ein Bruchteil des relevanten Lernmaterials zur Verfügung. Häufig werden Vorlesungsfolien, Übungsaufgaben oder Seminarunterlagen von den Dozenten Stück für Stück bereitgestellt; die Wenigstens geben zu Semesterbeginn alle Unterlagen auf einmal heraus.

Das bedeutet: Wenn du ab Woche 1 lernst, bist du an den Rhythmus gebunden, in welchem deine Dozenten neue Informationen bekannt geben. Und diese Frequenz muss nicht deinen Lerngewohnheiten entsprechen und kann dich daher ausbremsen. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Wenn du mit dem Lernen abwartest und erst spät beginnst, kannst du aus dem Vollen schöpfen und auf ein breites Angebot an Lernunterlagen zurückgreifen. Diese Verfügbarkeit fördert die Produktivität deiner Lernsessions und verhindert den erwähnten „Leerlauf“.

 

3. Du konzentrierst dich auf die wesentlichen Inhalte

Solltest du davon ausgehen, dass du für wenigstens eines deiner Fächer ALLE Inhalte lernen, verstehen und anwenden kannst, muss ich dich enttäuschen. Es wird dir niemals gelingen, jedes Detail eines Moduls in deinem Lernplan unterzubringen – dafür gibt es einfach zu viel Stoff und wenig Zeit. Du wirst immer gezwungen sein, Prioritäten zu setzen und dich auf das Lernen der wichtigsten Inhalte zu konzentrieren.

Vielen deiner Kommilitonen wird genau das nicht gelingen. Nicht weil sie naiv oder untalentiert sind, sondern weil sie sich verzetteln. Sie halten sich zu lange mit Kleinkram auf und legen den Schwerpunkt Ihrer Prüfungsvorbereitung nicht auf die wichtigsten Teile des Stoffs. Wenn du allerdings erst spät mit dem Lernen anfängst, wirst du automatisch dazu gezwungen sein, dich mit den wesentlichen Inhalten zu beschäftigen. Für Nebensächlichkeiten bleibt dir schlichtweg keine Zeit. Die Verknappung deiner Vorbereitungsphase wirkt sich zwangsläufig positiv auf den Grad deiner Priorisierung aus. Natürlich kannst du dich dabei immer noch auf die falschen Themen konzentrieren, aber immerhin bewertest du deine Materialsammlung und setzt Schwerpunkte – das ist nicht selbstverständlich.

 

4. Du arbeitest fokussiert

Auf der Zielgerade zur Prüfung entwickeln viele Studenten einen Tunnelblick. Sie lernen hochkonzentriert, blenden jede Art von Ablenkung aus und steuern entschlossen auf ihr Ziel zu: die Prüfung bestehen. Sie arbeiten während dieser Zeit so fokussiert wie sonstwa kaum. Und weißt du auch warum? Weil sie keine andere Wahl haben.

Wenn du erst kurz vor deiner Prüfung mit dem Lernen beginnst, musst du diese Aufgabe ins Zentrum deiner Aufmerksamkeit stellen – ansonsten wirst du scheitern. Dir bleibt nichts anderes übrig als andere Verpflichtungen, To-dos und Lebensbereiche zu vernachlässigen, um in kurzer Zeit das Optimum für deinen Prüfungserfolg herauszuholen. Eine kurze Klausurvorbereitung ist zwar nicht immer erfolgreich, aber dafür effizient. Weil du dich fokussieren musst.

 

5. Du verschwendest keine Zeit

Hier eine Website durchgescrollt, dort einen Artikel gelesen, zwischendurch Facebook und WhatsApp gecheckt: Die meisten Lernsessions im Semester sind nicht besonders produktiv. Und das hat einen einfachen Grund: Es ist noch zu viel Zeit bis zur Prüfung vorhanden. Dieser Umstand lädt dazu ein, deine Zeit mit Ablenkungen, unwichtigen Aufgaben und Quatsch zu verschwenden.

Sobald eine Ressource im Überfluss zur Verfügung steht, neigen wir Menschen dazu, diese Ressource inflationär zu verbrauchen. Gedankenlos konsumieren wir – bis es zu spät ist, ein kritischer Knappheitsgrad vorliegt und wir zum Handeln gezwungen sind. Das gilt für die Bereiche Gesundheit, Klima, Geld – und Zeit. Falls du also Großteile des Semesters nicht lernst (und deine Zeit aus dieser Perspektive damit verschwendet hast), bist du kurz vor deiner Prüfung dazu gezwungen, auf Zeitverschwendung zu verzichten. Vergeudest du deine Zeit hingegen weiterhin, wirst du dein Ziel nicht erreichen – und das willst du nicht.

 

6. Du kannst dich vorher um andere Projekte kümmern

Den Studenten, die sich während der ersten Wochen und Monate im Semester schon um ihre Prüfungsbereitung kümmern, bleibt weniger freie Zeit, um interessante Projekte neben dem Studium in Angriff zu nehmen. Das können lukrative Nebenjobs, interessante Zusatzkurse oder ehrenamtliche Tätigkeiten sein. Politische Engagements, ausgiebiges Reisen oder die Vertiefung eines Hobbys gehören auch dazu.

Wenn du deine Prüfungsvorbereitung auf einen bestimmten, kurzen Zeitraum des Semesters konzentrierst, schaffst du dir selbst Freiräume, um dein Studentenleben voll auskosten zu können. Wie du diese Zeit gestaltest, bleibt dir überlassen und ist individuell verschieden. Wichtig dabei ist nur eines: Du wirst sehr wahrscheinlich nie wieder die Möglichkeit in deinem Leben (vor der Rente) haben, so viel Zeit für deine persönliche Weiterentwicklung zu nutzen.

 

7. Du verlässt deine Komfortzone

Zurück zum Anfang des Artikels: Weißt du noch, wie du dich das letzte Mal gefühlt hast, als du zu spät mit dem Lernen angefangen hast? Ich rate mal: Du hast dich selbst gehasst. Du fühltest dich unter Druck gesetzt. Überfordert. Der Situation nicht gewachsen. Und dann hast du es doch irgendwie geschafft. Du warst zwar nicht zu 100 Prozent zufrieden mit dem Ergebnis; aber du warst zufrieden mit dem, was du aus der Lage gemacht hast.

Auch wenn du vielleicht nicht Eindruck hattest: Du bist in dieser Situation gewachsen. Du hast dich selbst dazu gedrängt, deine Komfortzone zu verlassen und über dich hinauszuwachsen. Du hast etwas geschafft, was du dir vorher nicht in diesem Maß zugetraut hast. Und das nur, weil du zu spät mit deiner Aufgabe angefangen und dich damit an den Rand einer persönlichen Niederlage geführt hast.

 

Die bessere Alternative

Dieser Artikel ist kein Aufruf an dich, die Beine hochzulegen und ab sofort deine Prüfungsvorbereitung zu verschlafen. Ich möchte dich nicht dazu ermutigen, spät mit dem Lernen anzufangen, denn bei all den Vorteilen, die ein später Startzeitpunkt mit sich bringt, überwiegen nach wie vor die Nachteile. Du setzt dich selbst unnötig unter Druck und erhöhst massiv die Wahrscheinlichkeit, durch die Prüfung zu fallen. Wenn du zu spät mit dem Lernen beginnst, verhinderst du, dass du deine beste Leistung abrufen kannst und nimmst fahrlässig schlechte Noten, eine längere Studienzeit und mentale Stresskrankheiten in Kauf.

Selbst dann, wenn es ein, zwei oder zehn Mal gut gehen sollte: Beim nächsten Mal kannst du mit dieser Strategie auf die Schnauze fallen und damit deinen ganzen Studienerfolg riskieren. Willst du das?

Gut, dann habe ich einen Alternativvorschlag für dich: Du musst nicht ab dem ersten Tag im Semester lernen, aber du musst ab dem ersten Tag im Semester dein Studium planen und deinen Lernfortschritt im Blick haben. Mit einem klugen Plan und einer aktuellen Übersicht vermeidest du böse Überraschungen und bleibst (auch ohne regelmäßige Lerneinheiten) zielorientiert.

Wenn du dein Semester vorausschauend planst, deine Arbeit strukturierst und dich hin und wieder schon vor deiner eigentlichen Prüfungsvorbereitung mit dem Stoff beschäftigst, wird es dir gelingen, ohne viel Zusatzaufwand überproportional erfolgreicher zu sein. Wenn du zusätzlich noch mit eigenen verbindlichen Deadlines arbeitest, kannst du die Vorteile von oben trotzdem nutzen – allerdings ohne dabei dem gleichen Druck und Stress ausgesetzt zu sein.

Zwei Lesetipps dazu:

 

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Fazit

Es kann klug sein, spät mit dem Lernen anzufangen. Auf den ersten Blick bringt eine zu kurze Prüfungsvorbereitung ausschließlich Nachteile mit sich – doch neben den eindeutig negativen Gesichtspunkte schimmern viele Vorteile durch, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Die sieben wichtigsten Gründe habe ich dir in diesem Artikel gezeigt.

Doch bei all den positiven Nebenerscheinungen darfst du eine Sache nicht vergessen: Wenn du zu spät mit dem Lernen anfängst, machst du dir selbst das Leben schwer. Du bringst dein Studentenleben ohne Zwang auf die schiefe Bahn und gehst ein vermeidbares Risiko ein. Besonders klug ist das nicht – es ist aber auch nicht der Weltuntergang.

Es wird immer wieder Situationen in deinem Studium geben, in denen du unverschuldet in Zeitnot gerätst. In diesen Phasen sollen dich die Ansätze von oben aufbauen und dir neuen Mut geben. Selbst dann, wenn dir nur wenige Tage zum Lernen bleiben, hast du immer die Chance das Ruder umzureißen und die Weichen auf Erfolg zu stellen. Alles, was du dazu brauchst, ist die richtige Strategie und eine große Portion Entschlossenheit.

 

Bild: © Quinten de Graaf / unsplash.com
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Autor

Tim Reichel

Tim ist Bestseller-Autor und der Gründer von Studienscheiss. Seit über sechs Jahren hilft er Studenten und löst Probleme im Studium. Außerdem arbeitet er als selbstständiger Coach und als Fachstudienberater an einer großen deutschen Eliteuniversität.

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